Kreditverträge, in: bdp aktuell Ausgabe 90 | November 2012

Banken wollen informiert werden

Wer durch regelmäßiges Reporting mit seiner Bank kommuniziert, kommt seinen Berichtspflichten professionell nach

rotes Telefon

Kreditverträge mit Kreditinstituten sind in der Regel standardisiert und sollten deshalb eigentlich keine grundsätzlichen Fragen provozieren. Trotzdem stellen wir in unserer Beratungspraxis fest, dass die überwiegende Mehrzahl unserer Mandanten sich in der Auslegung und im Umgang mit den vertraglichen Regelungen, die sie mit den Finanzierern abgeschlossen haben, nicht sicher sind. Weil es aber gerade in einem wirtschaftlich schwieriger werdenden Umfeld existenziell wichtig ist, hier seine Pflichten und Rechte zu kennen, werden wir in einer kleinen Serie die Gestaltung und Abwicklung von Kreditverhältnissen erläutern.

Matthias Kramm

Matthias Kramm
ist Geschäftsführer der bdp Venturis Management Consultants GmbH.

In bdp aktuell Ausgabe 88 haben wir bereits erklärt, dass für die Unternehmensführung geordnete Verhältnisse bei den Bankunterlagen, d. h. ein klares System mit schnell zugreifbaren Daten zur Finanzierungssituation, elementar sind. In der Praxis müssen wir nämlich feststellen, dass bei einer Vielzahl unserer Mandate nicht alle Verträge in den Unterlagen der Unternehmen verfügbar sind. Das erschwert natürlich die Auslegung der vereinbarten Regelungen. Also bleibt zunächst zu wiederholen, dass diese Verträge sorgfältig abgelegt und vollständig vorhanden sein müssen.

Wichtige Regelungen

Die inhaltlichen Regelungen bzw. Vereinbarungen mit Finanzierern sind extrem wichtig für die Unternehmensentwicklung. Wir werden diese noch im Einzelnen betrachten und insbesondere die Bedeutung von Covenants, Kreditbedingungen und Kreditkonditionen sowie Sicherheiten und Haftungsregelungen analysieren. In dieser Ausgabe sollen zunächst die Berichtspflichten diskutiert werden.

Die meisten Kreditverträge beinhalten Vereinbarungen über die Berichterstattung zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kreditnehmers. Ausgangspunkt ist u.a. der § 18 des Kreditwesengesetzes. Dieser Paragraf findet formal nicht für jeden Kreditnehmer Anwendung. Er definiert jedoch den Grundsatz der Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Der Kernsatz des Absatzes 1 lautet:

„Ein Kreditinstitut darf einen Kredit, der insgesamt 750.000 Euro oder 10 vom Hundert des haftenden Eigenkapitals des Instituts überschreitet, nur gewähren, wenn es sich von dem Kreditnehmer die wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere durch Vorlage der Jahresabschlüsse, offen legen lässt.“

Auch wenn eine Grenze von 750.000 Euro nicht überschritten wird, so haben Kreditnehmer doch vertraglich die Pflicht, über die wirtschaftliche Situation regelmäßig Unterlagen zu liefern. Allein die regelmäßige Ratingpflicht begründet die gute Aufbereitung der einzureichenden Unterlagen. Die üblichen Regeln werden in den standardisierten Kreditverträgen bzw. Allgemeinen Geschäftsbedingungen beschrieben und sind somit Bestandteil der Vereinbarung, auch wenn man nicht konkret darauf hingewiesen wird.

Detaillierte Unterlagen

In einzelnen Verträgen wird konkret vorgegeben, dass bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (z. B. 30 Tage nach Monats- oder Quartalsende) weitere detailliert aufgelistete Unterlagen und Informationen einzureichen sind. Das sind dann oft mehr Unterlagen als nur die den meisten bekannten Dokumenten wie Jahresabschlüsse und die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)  inklusive Summen- und Saldenliste (SuSa) hinaus. Bei der Summen- und Saldenliste sollte darauf geachtet werden, dass die sogenannten EB-Werte (Eröffnungsbilanzwert) spätestens nach Abstimmung des Jahresabschlusses vom Vorjahr nicht voneinander abweichen. Die endgültigen und teilweise zu testierenden Jahresabschlüsse sind üblicherweise spätestens nach sechs Monaten nach Bilanzstichtag vorzulegen.

Standardmäßig vorzulegen sind die Kreditoren- und Debitorenlisten und der Auftragsbestand. Aber auch fortlaufend zu erstellende Ergebnis- und Liquiditätspläne sowie entsprechende Soll-Ist-Vergleiche gehören mittlerweile zu den häufig geäußerten Unterlagenwünschen der Kreditinstitute und anderer Finanzierer, ebenso wie die Investitionsplanung und der Banken- und Sicherheitenspiegel. Wir wollen an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber darauf hinweisen, dass die Unterlagen durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer erstellt bzw. plausibilisiert werden sollten.

Regelmäßiges Reporting

Wir empfehlen aufgrund unserer guten Erfahrungen, freiwillig eher mehr Informationen bereitzustellen und dies in einem strukturierten Verfahren umzusetzen. Ein regelmäßiges Reporting, das wir in den Ausgaben 85 und 86 von bdp aktuell beschrieben haben, ist das Mittel der Wahl für eine professionelle Bankenkommunikation. Die Unterlagen sollten auf keinen Fall unkommentiert zur Verfügung gestellt werden, weil dies den Raum öffnet für unerwünschte Interpretationen und Nachfragen.

Kommt man den Offenlegungsfristen bzw. dem Unterlagenumfang nicht nach, können unterschiedliche Folgen eintreten. So ist es zu erwarten, dass eine Bank bei wiederkehrenden Problemen dies bei der Ratingermittlung im Bezug auf die kaufmännischen Qualitätsmerkmale berücksichtigt. Wie wir bereits des Öfteren berichtet haben, kommt dem Rating eine immer bedeutendere Rolle zu. Das gilt umso mehr auch mit Blick auf die steigenden Anforderungen an die Banken nach Basel III. Jedwede Ratingverschlechterung erhöht die Gefahr, dass Konditionen verschärft werden und das betreffende Kreditengagement restriktiver gehandhabt wird.

Wer nicht berichtet, wird gekündigt

Zudem behalten sich üblicherweise die Banken schon formularseitig die Kündigungsmöglichkeit offen. Denn auch die Bank muss einen Nachweis führen, dass sie bei den Kreditnehmern regelmäßig die Unterlagen zur Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse einfordert und auswertet. Greift durch die Kredithöhe definitiv der § 18 des Kreditwesengesetzes, verschärft sich der Prozess bei den Kreditinstituten und Finanzierern. Kommt man den Unterlagenwünschen nicht nach, wird erinnert oder gar gemahnt. Die Kündigungsandrohung stellt dann das letzte Mittel dar, bevor es dann für den Kreditnehmer sehr ernst werden kann.

Insofern muss ein Kreditnehmer die Regelungen zu den Berichtspflichten ernst nehmen und sich an die geforderten Einreichungsrhythmen und Umfänge der Unterlagen stringent halten.

In der nächsten Folge werden wir uns den Covenants widmen. Diese Regelungen knüpfen an die wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft und folgen somit den Offenlegungspflichten.

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