Unternehmensfinanzierung, in: bdp aktuell 82 | Februar 2012

Richtungsweisend

Wer Kredite zu guten Konditionen bekommen möchte, muss sich um eine gute Ratingnote bemühen

Wetterfahne

Offiziell werden die strengeren Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften für Banken, die Ende 2010 vom Basler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beschlossen wurden, erst ab 2013 schrittweise eingeführt. Doch schon heute beeinflusst das Basel III genannte Regelwerk die Kreditvergabe an den Mittelstand, indem es die Bedeutung eines guten Ratings abermals erhöht.

Rüdiger Kloth

Rüdiger Kloth
ist Steuerberater und seit 1997 Partner bei bdp Hamburg.

Bereits 1988 hatte Basel I festgelegt, dass Kredite an Unternehmen grundsätzlich zu 8 % mit Eigenkapital unterlegt sein müssen. Mit Basel II, das erst seit 2007 gilt, wurde zusätzlich verfügt, dass die Eigenkapitalunterlegung nach dem jeweiligen Kreditrisiko differenziert werden muss. Basel II hatte diese Mindesteigenkapitalanforderungen mit der Einführung eines bankenaufsichtsrechtlichen Überprüfungsprozesses kombiniert, der eine strengere Formalisierung und Überprüfbarkeit der Kreditentscheidungen zur Folge hatte.

Durch Basel III müssen die Banken ab 2013 nochmals mehr Eigenkapital und Liquidität vorhalten: Die Eigenkapitalquote für Risikoaktiva erhöht sich schrittweise von jetzt 8 auf dann 10,5 %. Hinzu kommt ein Kapitalerhaltungspuffer von 2,5 %. Die Folgen liegen auf der Hand: Es werden in Abhängigkeit von der erteilten Ratingnote durch die Banken Kreditentscheidungen vorsichtiger gefällt und Kredite teurer werden.

Andreas Demant

Andreas Demant
ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater und seit 1992 bdp-Gründungspartner.

Das Rating ist eine standardisierte Prognose des Ausfallrisikos bzw. der Wahrscheinlichkeit eines termingerechten und vollständigen Schuldendienstes. In das Rating fließen, neben dem Branchenrating, das aufgrund von Branchenreports erstellt wird, vor allem die Ergebnisse des quantitativen und des qualitativen Ratings ein. Es nützt nichts, als Unternehmer die gestiegene Bedeutung der Ratingnoten zu bedauern. Man sollte vielmehr erkennen, dass man sowohl das quantitative als auch das qualitative Rating erheblich beeinflussen kann.

Das quantitative Rating stützt sich vor allem auf eine Bilanzanalyse, bei der wiederum die Eigenkapitalausstattung zentral ist. Insbesondere die Entnahme- und Kostenpositionen sowie die Ertragssituation spielen hier eine wesentliche Rolle.

Beim qualitativen Rating wird die Unternehmensführung im Hinblick auf ihr Innovations-, Planungs-, Personal- und Risikomanagement beurteilt. Erheblichen Einfluss hat hier das Kommunikationsverhalten gegenüber der Bank und natürlich auch Leistungsstörungen im Kreditverhältnis.

Wer seine Ratingnote verbessern möchte ist gut beraten, eine integrierte Erfolgs-, Liquiditäts- und Bilanzplanung einzurichten. Damit können zum einen Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt und korrigiert werden. Zum anderen stehen stets aktuelle Informationen zur Verfügung, die eine moderne Bankenkommunikation erst ermöglichen.

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