bdp-M&A-Projekt, in: bdp aktuell 68 | November 2010

M.A.L. Magdeburger Artolith GmbH

Distressed M&A im Auftrag der Insolvenzverwaltung

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M.A.L. Magdeburger Artolith GmbH
Magdeburg
Umsatzkapazität: 30 - 50 Mio. Euro
Mitarbeiter: ca. 100

Das Unternehmen:

Das Werk ist eines von weltweit 25 „Breton“-Werken. In Deutschland existiert nur ein Produktionswerk dieser Art für kunstharzgebundene Quarzsteintafeln (Engineered Stone). Die Herstellung der Großsteintafeln, die weltweit an Steinbearbeitungsbetriebe verkauft werden, erfolgt durch ein patentgeschütztes Vakuumvibrationsverfahren. Aus dem Produkt werden z. B. Küchenarbeitsplatten, Fußbodenbeläge, aber auch Treppen, Banktresen und sogar moderne Designermöbel gefertigt. In einer rund 350 m langen Halle stehen derzeit zwei Produktionslinien. Die Produktionskapazität des Werkes kann über eine Ausbaufläche noch deutlich vergrößert werden.

Projektskizze:

Das neue Werk nahm im November 2007 seine Produktion auf. Eine mangelhafte Durchfinanzierung, eine unzureichende Sortimentsplanung, aber auch die Auswirkungen der weltweiten Immobilien- und Wirtschaftskrise wurden dem Unternehmen zum Verhängnis. Bereits vier Monate nach Inbetriebnahme forderte die Hausbank die Geschäftsleitung auf, sich Hilfe über ein externes Beratungsunternehmen zu holen.

bdp wurde zunächst mit der Erstellung eines Gutachtens (Due Diligence) beauftragt. Darüber hinaus übernahm bdp die Kommunikation mit den Finanzierungspartnern. Die weitere Zusammenarbeit mit den Banken wurde letztlich unter die Bedingung gestellt, dass ein Interimsmanager als alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer tätig würde. Sofort wurde durch bdp die Suche nach einem Investor koordiniert.

Langwierige Verhandlungen scheiterten am Ende an der Bereitschaft der potenziellen Investoren, die vollständige Belegschaft zu übernehmen. Fördergelder drohten in Millionenhöhe zurückgefordert zu werden, sodass der weitere M&A-Prozess nur im Rahmen eines Insolvenzverfahrens möglich war. Parallel dazu zog sich die finanzierende Bank aus dem deutschen Markt zurück.

Der Insolvenzverwalter, Dr. Lucas Flöther, Flöther & Wissing Rechtsanwälte, bat bdp, den Prozess weiter zu begleiten. Der begonnene M&A-Prozess wurde von bdp weiter koordiniert. Nach langen Verhandlungen mit internationalen Investoren konnte mit einer italienischen Investorengruppe im Rahmen eines Asset Deals ein Kaufvertrag geschlossen werden. Das Eigentum an dem Werk wurde im Oktober 2010 an den Erwerber, die Quartzforms S.p.A., übertragen.

Maßnahmen von bdp:

  • operatives Interimsmanagement
  • Erstellung Investorenmemorandum
  • Käufersuche
  • Erstellung der Unterlagen und Informationen für Investoren
  • Führung der Gespräche und Verhandlungen

Zeitraum:

  • Februar 2008 bis August 2010
Portrait

„Vor dem Hintergrund der internationalen Wirtschaftskrise erschien es zunächst nur sehr schwer möglich, einen Käufer für das Werk in Magdeburg zu finden. Die externe Beauftragung von bdp hat durch die professionelle Distressed M&A-Begleitung letztlich, trotz des sehr schwierigen Marktumfeldes, zu einem Abschluss geführt. Die Aufrechterhaltung eines Stand-by-Betriebes hat in Begleitung des Interimsmanagers den Werterhalt der Assets gewährleistet.“

Dr. Lucas Flöther
ist Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter

Portrait

„Das Projekt hat gezeigt, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, aus der Insolvenz heraus, in enger Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter, unter Einsatz von Erfahrung und Beharrlichkeit, der Verkauf der Assets eines Unternehmens zum Erfolg geführt werden kann.“

Matthias Kramm
ist Geschäftsführer der bdp Venturis Management Consultants GmbH