Rating, in: bdp aktuell 57 | November 2009

Wo sich das Aufpolieren lohnt

Wer Kapitalbedarf hat, sollte sein Rating optimieren. Wir erläutern Ansätze, die zu einer Verbesserung führen können

Lackpflege

In der letzten Ausgabe von bdp aktuell gab Maike Götting, Abteilungsleiterin bei der KfW-Bankengruppe, Unternehmen mit Kapitalbedarf einen wichtigen Rat: „Sie sollten sich frühzeitig um das Thema Rating kümmern und mit ihrer Hausbank klären, was sie ggf. zur Verbesserung ihres Ratings tun können.“

Ein Blick auf die wesentlichen Kennzahlen eines Unternehmens lohnt sich also. Wie stellen nachfolgend die sechs wichtigsten und am häufigsten für ein Ratingverfahren herangezogenen Kennzahlen vor und erläutern Ansätze, wie deren Benotung verbessert werden kann.

Quantitatives Rating: Standardbewertung nach Kennziffernausprägung
1
2
3
4
5
Eigenkapitalquote > 30 % 20 - 30 % 15 - 20 % 10 - 15 % 5 - 10 %
Working Capital Ratio > 150 % 130 - 150 % 120 - 130 % 110 - 120 % 100 - 110 %
Gesamtkapitalumschlag > 5-mal 4 - 5-mal 3 - 4-mal 2 - 3-mal 1 - 2-mal
Gesamtkapitalrentabilität > 15 % 10 - 15 % 8 - 10 % 5 - 8 % < 5 %
Schuldentilgungsdauer < 2 Jahre 2 - 4 Jahre 4 - 6 Jahre 6 - 8 Jahre 8 - 10 Jahre
Anlagendeckung > 150 % 125 - 150 % 110 - 125 % 105 - 110 % 100 - 105 %

Working-Capital

Beim Working-Capital stellt sich die Frage, ob das Umlaufvermögen ausreicht, die entsprechenden Verbindlichkeiten zu bedienen. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen darin, Umschuldungen in langfristige Verbindlichkeiten vorzunehmen und kurzfristige Verbindlichkeiten abzulösen. Hier stellt z. B. das KfW-Sonderprogramm Nr. 82 eine hervorragende Möglichkeit dar, denn mit diesem Programm dürfen z. B. auch bestehende und auslaufende Verbindlichkeiten kurzfristiger Natur getilgt und in ein mittelfristiges Fünf-Jahres-Darlehen umgewandelt werden. Wir haben beispielsweise für die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH erfolgreich ein KfW-Sonderprogramm-Darlehen besorgen können und somit den ostdeutschen Getriebekomponentenhersteller wirtschaftlich deutlich stärken können (bdp aktuell Ausgabe 54).

Gesamtkapitalumschlag

Auch der Gesamtkapitalumschlag ist eine wichtige Kennziffer, die darüber Auskunft gibt, welche Produktivität das eingesetzte Kapital erzielt.

Dr. Michael Bormann

Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 bdp-Gründungspartner.

Verbesserungen können z. B. durch Sale-and-lease-back erreicht werden. Es stellt sich aber bei Restrukturierungen die wichtige Frage, ob wirklich sämtliches Anlagevermögen noch notwendig ist. Dies bringt oft heilige Kühe des Unternehmers in den Fokus: Von der geliebten und technisch anspruchsvollen großen Druckpresse oder einigen Lkw des Fuhrparks trennt er sich nur allzu ungern. Dennoch lautet die erste Devise im schwierigen Fahrwasser: Die Auslastung muss gemessen werden! Wenn die Auslastung zu niedrig ist, gibt es nur zwei kurzfristig umsetzbare Alternativen: Entweder es gelingt dem Unternehmer, mit aller Kraftanstrengung mehr Umsatz hereinzuholen und die Maschinen wieder auszulasten, oder er muss sie stilllegen und sich sogar mit einer Veräußerung von Maschinen oder Produktionsanlagen vertraut machen. Denn eins ist sicher: Selbst eine nur zu 20 % ausgelastete Maschine frisst trotzdem 100 % Kapitaldienst und setzt in der Regel auch noch eine personelle Besetzung voraus. Solche hohen Leerkosten kann sich in der heutigen Zeit aber kein Betrieb leisten.

Gesamtkapitalrentabilität

Die Gesamtkapitalrentabilität gibt Aufschluss darüber, ob das Fremdkapital eine ausreichende Produktivität erreicht. Hier sind insbesondere Maßnahmen zur Bilanzsummenverkürzung, aber auch zur deutlichen Rentabilitätssteigerung gefragt, die sich unmittelbar in der Umsatzrentabilität niederschlagen.

Wenn schon keine Steigerung der Umsatzerlöse möglich ist, muss zumindest geschaut werden, ob Rohertrag- und Personalquote verbessert werden können. Insbesondere der Rohertragsquote ist sowohl bei der Restrukturierung von Unternehmen als auch bei der Beantragung von liquiden Mitteln größte Aufmerksamkeit zu zollen. Diese Kostenquote stellt in der Regel den größten Hebel für eine erfolgreiche Sanierung dar. Häufig muss mit Lieferanten und Kunden verhandelt werden, um insgesamt die Quote für das Unternehmen zu verbessern. Hier kann der Berater wertvolle Hinweise geben, was derzeit mit Lieferanten und Kunden verhandelbar ist und was nicht, denn der Berater hat diese Gespräche schon bei vielen Mandanten geführt, im Gegensatz zum Unternehmen, welches erstmalig vor diese Aufgabe gestellt wurde.

Schuldentilgungsdauer

Die Schuldentilgungsdauer zeigt wiederum an, in welchem Zeitrahmen durch operative Tätigkeit das Unternehmen in der Lage ist, seine Schulden zu tilgen. Verbessernde Restrukturierungsmaßnahmen bestehen hier im harten Lagerabbau, im schon angesprochenen Veräußern oder Outsourcing von Anlagevermögen und in den Bemühungen um ein verkürztes Kundenziel, also ein verbessertes Debitorenmanagement. Insgesamt ist die Schuldentilgungsdauer eine wichtige Kennziffer, die zeigt, wie weit das Unternehmen in der Lage ist, Liquidität und Ertrag zu verbessern.

Eigenkapitalquote

Dass die Eigenkapitalquote sehr stark Rating bestimmend ist, dürfte wohl jedem geläufig sein. Insbesondere die Entnahme- und Kostenpositionen spielen hier eine Rolle, so wie die Ertragssituation.

Es gibt viele Möglichkeiten zur Verbesserung des Ratings. Man muss sie allerdings rechtzeitig genug ergreifen.