Bilanzrecht, in: bdp aktuell 53 | Juni 2009

Immaterielle Eigenkapitalbasis

Für selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände können  nun die Entwicklungskosten handelsrechtlich aktiviert werden

Gemäß § 248 Abs. 2 HGB war es nach alter Rechtslage bisher verboten, immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, die nicht entgeltlich erworben wurden, handelsrechtlich zu aktivieren. Die neue Rechtslage nach BilMoG sieht ein Ansatzwahlrecht selbstgeschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens vor.

Der Bundesrat hat dem BilMoG am 3. April 2009 zugestimmt. Für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2008 beginnen, ist eine vorzeitige Anwendung aller Neuregelungen möglich, dann aber nur vollständig. Für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2009 beginnen, müssen alle Neuregelungen zwingend angewendet werden.

Silke Woschnik

Silke Woschnik
ist Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin bei bdp Berlin sowie Prokuristin der bdp Revision und Treuhand GmbH.

Für die selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, z. B. Patente oder Know-how oder Produktions- und Herstellungsverfahren, besteht nach neuem Recht ein Ansatzwahlrecht. Nicht aufgenommen werden dürfen selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögenswerte des Anlagevermögens.

Dieses Ansatzwahlrecht ist vor allem für innovative Unternehmen wichtig, die intensiv forschen und entwickeln. Auch kleine und Start-up-Unternehmen profitieren von der Vorschrift. Dadurch können die Unternehmen ihre bilanzielle Eigenkapitalbasis ausbauen und ihre Fähigkeit verbessern, sich am Markt kostengünstig weiteres Kapital zu beschaffen. Die Kennzahlen, z. B. EBITDA, werden verbessert.

Dr. Michael Bormann

Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Voraussetzung für die Aktivierung ist, dass ein handelsrechtlicher Vermögensgegenstand vorliegt. Das selbst erstellte Wirtschaftsgut muss nach der Verkehrsauffassung einzeln verwertbar sein.

Die Aktivierung erfolgt mit den bei der Entwicklung anfallenden Herstellungskosten. Forschungskosten dürfen nicht einbezogen werden. Daher ist die Trennung von Forschung und Entwicklung entscheidend. Entwicklung ist die Anwendung der Forschungsergebnisse oder von anderem Wissen für die Neuentwicklung von Gütern oder Verfahren oder die Weiterentwicklung von Gütern oder Verfahren mittels wesentlicher Änderungen.

Forschung hingegen ist die eigenständige und planmäßige Suche nach neuen wissenschaftlichen oder technischen Erkenntnissen oder Erfahrungen allgemeiner Art, über deren technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten grundsätzlich keine Aussagen gemacht werden können. Können Forschung und Entwicklung nicht verlässlich voneinander unterschieden werden, ist eine Aktivierung ausgeschlossen.

Aktivierbar sind also ausschließlich Kosten der Entwicklungsphase. Jedes Unternehmen benötigt eine Meilensteinplanung für das jeweilige Projekt, aus der ersichtlich ist, wann der Eintritt in die Entwicklungsphase und damit die Vermögensgegenstandseigenschaft zu bejahen ist. Für die Ermittlung und Zuordnung der Herstellungskosten sind eine Kostenträgerrechnung für die entsprechenden Entwicklungsprojekte und die Installation von Prozessen, z. B. für die Schlüsselungen von Gemeinkosten oder die Überprüfung der Werthaltigkeit aktivierter Kosten zu etablieren.

Steuerlich bleiben die Aufwendungen nach wie vor abzugsfähig. Die bestehende Differenz zwischen Handels- und Steuerbilanz ist aber im Rahmen der Ermittlung von passiven latenten Steuern zu berücksichtigen. Die aktivierten Beträge abzüglich der hierfür gebildeten passiven latenten Steuern stehen nicht zur Gewinnausschüttung zur Verfügung, dadurch wird dem Gläubigerschutz Rechnung getragen.

Im Anhang ist künftig bei Aktivierung der Gesamtbetrag der Forschungs- und Entwicklungskosten des Geschäftsjahres sowie der davon auf selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens entfallende Betrag anzugeben.

Software - Bilanzierung. Die Prüfung der „Unfertigen Leistungen“ eines Softwareherstellers im Rahmen der Jahresabschlußprüfung

Die Bilanzrechtsreform wird nun dazu führen, dass Dr. Bormanns Buch zum Thema, das zwei Jahrzehnte als Standardwerk diente, nun überarbeitet werden muss.