Interimsmanagement: bdp aktuell 51 | April 2009
Helfer in der Not
Interimsmanager sind derzeit vor allem als Feuerwehrmänner gefragt. Für sie sind Krisensituationen der Normalzustand
Es gibt Dinge, die kann selbst der umsichtigste Firmengründer nicht vorausahnen. Etwa, dass die Hausbank in die Insolvenz geht. Uwe Ahrens ist es vor einigen Jahren so gegangen, als noch niemand von Finanzkrise und Lehman Brothers sprach. Ahrens war 1990 Gründer und Vorstand der aap Implantate AG, eines aufsteigenden, börsennotierten Medizintechnik-Unternehmens aus der Hauptstadt. aap fertigt innovative Implantate zur Behandlung von Knochenbrüchen und künstliche Gelenke. Bis Uwe Ahrens eines Tages erfuhr: Die Privatbank Delbrück, seine Hausbank, die Kredite in siebenstelliger Höhe ins Unternehmen gegeben hat, ist in ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Der Einlagensicherungsfond der Deutschen Banken muss einspringen, ein Alarmsignal innerhalb der Branche. Die notleidende Bank stellt ihre Kredite bei aap fällig, andere Banken ziehen nach, obwohl das Berliner Unternehmen gut im Geschäft ist. Ahrens, heute Aufsichtsratchef bei aap, erinnert sich: „Wir standen kurz vor der Insolvenz.“ Und mit dem nötigen Galgenhumor ergänzt er rückblickend: „Dass man den Konkurs seiner Hausbank im Blick haben sollte, gehörte ja seinerzeit nicht unbedingt zum klassischen betriebswirtschaftlichen Repertoire eines Kaufmanns.“
Erfahrene Interimsmanager als Verstärkung
Ahrens erhielt Verstärkung von Matthias Schipper. Der 49-Jährige ist Geschäftsführer der bdp Venturis Management Consultants GmbH und ein erfahrener Interimsmanager. Er und seine Kollegen sind zurzeit vor allem als Feuerwehrmänner gefragt, die in Krisenunternehmen versuchen, den Turnaround einzuleiten. Die Extremsituation, die in vielen Unternehmen herrscht, erfordert ein umfassendes Bündel von Maßnahmen. Das verlangt Übersicht und Durchsetzungsfähigkeit. Vor allem aber ist eine außerordentliche Kommunikationsfähigkeit gefragt, zu der das bestehende Management oft nicht mehr fähig ist.
Interimsprojekte von Matthias Schipper
Matthias Schipper ist Geschäftsführer der bdp Management Consultants GmbH und in dieser Funktion oft in Restrukturierungsfällen „hands on“ als Interimsmanager (CRO) im Unternehmen tätig.
Schipper sieht sich vor allem als Katalysator: „Ein Interimsmanager ist unbelastet, hat im Unternehmen noch keine verbrannte Erde hinterlassen. Da dürfen alle Beteiligten wieder neues Vertrauen schöpfen.“ Schipper erhält vom Unternehmen eine Generalhandlungsvollmacht und agiert in der Zeit seines Wirkens wie ein weiterer Geschäftsführer oder Vorstand, ohne allerdings im Handelsregister eingetragen zu sein und in voller Haftung zu stehen.
Vertrauen wiedergewinnen
Die Probleme, vor denen ein Interimsmanager steht, sind vielschichtig. Lieferanten und Banken sind schon x-fach vertröstet worden und warten auf ihr Geld, die Belegschaft ängstigt sich vor drohenden Entlassungen. Verlorenes Vertrauen muss wiederhergestellt werden. Obwohl es auch Interimsmanager beispielsweise in den Bereichen Marketing und Vertrieb oder für Projekte gibt, geht es in den meisten Fällen vor allem um Restrukturierung und Sanierung. Da kommt sofort die Liquiditätssteuerung und Controlling auf den Prüfstand. Endlose Bankverhandlungen und Verhandlungen mit Lieferanten schließen sich an. Interimsmanager wie Schipper helfen dem Unternehmer, den Blick auch in der Krise auf das Wesentliche zu richten: Was sind die Kernkompetenzen des Unternehmens? Womit wird Geld verdient und womit nicht? Wie kann man die Eigenkapitalbasis des Unternehmens stärken? Wie die Abhängigkeit von den Banken verringern?
Dass der Unternehmer mit einem Interimsmanager ein Stück Selbstständigkeit aufgibt, verneint Schipper: „Zum einen hat das bestehende Management ohnehin die branchenspezifische Kompetenz und kennt die technischen und sonstigen Besonderheiten der Produkte und Dienstleistungen genau. Dieses Terrain machen wir ihm gar nicht streitig. Zum anderen werden die jeweiligen Aufgabenbereiche natürlich präzise beschrieben und voneinander abgegrenzt. Und schließlich, auch das muss man offen sagen, will ja niemand die bestehende Geschäftsführung aus der Verantwortung entlassen.“
Zwischen drei Monaten und einem Jahr dauern im Regelfall die Einsätze von Matthias Schipper und seiner Kollegen von bdp Venturis, mehr als ein Dutzend Firmen hat er so schon von innen gesehen und unter Ausnutzung aller Möglichkeiten stabilisiert und wieder fit gemacht. Nicht immer geht das geräuschlos ab. „Man kann auch über eine strategisch geplante Insolvenz ein Unternehmen nachhaltig sanieren, damit dieses von seinen Altlasten befreien und so die Firma erhalten. Aber manchmal ist auch alles zu spät. Damit muss man dann auch umgehen können.“
Krise ist für den Interimsmanager der Normalzustand
Ein Interimsmanager muss das gesamte Repertoire der Sanierungsinstrumente beherrschen. Je früher er gerufen wird, desto effektiver kann er seine Erfahrung ausspielen. Am Anfang einer krisenhaften Entwicklung, wenn Marktanteile und Unternehmenswert sinken, können Korrekturen der Unternehmensstrategie noch helfen und operative Maßnahmen wieder auf die Erfolgsspur führen. Hat sich die Krise aber so verschärft, dass negative Ergebnisse verzeichnet werden müssen, und steht schließlich die Insolvenz in der Liquiditätskrise kurz bevor, muss zunächst der Fortbestand des Unternehmens gesichert werden: Um die Liquiditätskrise zu überwinden, sind Unvoreingenommenheit, Entscheidungsfreude und kommunikative Kompetenz gefragt, die ein erfahrener Interimsmanager wie Matthias Schipper mitbringt.
Für ihn ist das, was für den betroffenen Unternehmer eine Ausnahmesituation darstellt, der Normalzustand. „Natürlich ist jedes Unternehmen besonders. Aber das grundsätzliche Vorgehen bei der Stabilisierung eines Krisenunternehmens ist doch sehr vergleichbar. Da hilft Routine sehr viel. Man darf sich nicht in die Tasche lügen und man muss sehr genau hinschauen. Aber man kann auch Vertrauen haben in seine eigene Erfahrung und das Wissen, wie man die Wende schaffen kann.“
Interimsprojekte von Matthias Schipper
Für die Umsetzung notwendiger Maßnahmen brauchen Sie einen praxiserfahrenen Manager, der Ihnen zu einem schnellen Restrukturierungserfolg verhelfen kann. Unser Pool an Interimsmanagern für das Management-Coaching besteht aus fünf erfahrenen Beratern. Matthias Schipper ist neben Unternehmensanalysen sowie Controlling, Beratung und Umsetzung vor allem als Interimsmanager in mittleren und größeren Unternehmen engagiert, z. B.:
- Interimsmanager bei einem Automotive Engineering Unternehmen, München, zuständig für das Controlling und die Liquiditätssteuerung der Auslandsgesellschaften mit über 800 Mitarbeitern, in 2002
- alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer auf Wunsch der Banken in einem der größten Gartencenter Europas, Berlin, in 2002/2003
- Generalbevollmächtigter eines börsennotierten Medizintechnikunternehmens, operative Begleitung während des M&A bis zur erfolgreichen Kapitaleinwerbung, Berlin, in 2003/2004
- auf Wunsch der Banken mehrere Monate operative Krisenbegleitung eines international tätigen Baumaschinenherstellers, Dortmund, in 2004
- Interimsmanagement als Generalbevollmächtigter bei einem Einzelhandelsfilialisten mit 55 Filialen. Liquiditätsmanagement, Lieferantenkommunikation, Begleitung von Finanzierungsverhandlungen bis zum Abschluss einer strategischen Investorenbeteiligung, in 2005/2006
- Interimsmanagement als Generalhandlungsbevollmächtigter bei einem Entwicklungs- und Produktionsunternehmen, tätig in den Bereichen dekorative und technische Lichtprodukte, hier mit dem Fokus auf technischen Lichtentwicklungen für die Schienenfahrzeugindustrie, in 2006/2007
- alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer auf Wunsch von Bank und Sicherungsgeber in einem Produktionsbetrieb der Baustoffindustrie mit 100 Mitarbeitern, operative Begleitung und Einleitung eines M&A-Prozesses zum Verkauf des Werkes, in 2008/2009