Unternehmensfinanzierung: bdp aktuell 49 | Februar 2009
Beteiligungen, Mezzanine und Anleihen
Interview mit Dr. Michael Bormann über alternative Finanzierungen (Teil 2) sowie aktuelle Sonderprogramme gegen die Rezession
____Dr. Bormann, für die letzte Ausgabe von bdp aktuell haben Sie uns über Unternehmensfinanzierungen durch Factoring sowie über Projektsonderkonten und Objektfinanzierungen informiert. Für diese Ausgabe werden wir Sie zu Beteiligungen, Mezzanine-Finanzierungen und Unternehmensanleihen befragen. Zunächst aber interessiert uns Ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage zu Beginn des neuen Jahres.
Die Rezession nimmt sowohl in der mittelständischen deutschen Wirtschaft als auch bei vielen Großunternehmen ihren Lauf. Betrachtet man den Auftragseingang mit einem Minus von etwa 22 % zum Vorjahr, kann man zumindest für die ersten zwei Quartale 2009 nicht mehr positiv gestimmt sein. Die Industrieproduktion und die Leistungen vieler mittelständischer Zulieferer werden diesem Rückgang der Auftragseingänge automatisch folgen müssen. Selbst wenn die Inflationsgefahren durch den Crash auf wohl unter 1 % pro Jahr für 2009 gesunken sind, werden das und die weltweit stark gefallenen Rohstoffpreise auch nicht verhindern können, dass Deutschland wohl für 2009 eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts von etwa 2,5 % hinnehmen muss.
Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.
____Aber hier versuchen die Konjunkturprogramme doch entgegenzusteuern.
bdp ist derzeitig in vielen Restrukturierungsmandaten tätig. Fresh Money zu bekommen ist im Normalfall eine notwendige Bedingung für den Erfolg einer jeden Restrukturierung. Das aber wird durch die Situation vieler Banken immer schwieriger. Hier gibt es Tendenzen und Sonderprogramme, die diesem Trend entgegenwirken: Die KfW Mittelstandsbank hat zur Kreditversorgung insbesondere für mittelständische Unternehmen zur Finanzierung von Vorhaben in Deutschland ein Sonderprogramm aufgelegt, welches sich in seiner Struktur an dem KfW-Unternehmerkredit orientiert. Maike Götting, Abteilungsdirektorin der KfW-Mittelstandsbank, informiert ja über dieses KfW-Sonderprogramm 2009 in dieser Ausgabe. Doch Vorsicht: Sanierungsfälle und Unternehmen in Schwierigkeiten sind von diesem Programm ausgeschlossen, wobei der maßgebliche Zeitpunkt für die Feststellung, ob ein Unternehmen in Schwierigkeiten ist, die Situation des Unternehmens zum 01.07.2008 ist. Hierdurch soll vermutlich erreicht werden, dass die jüngsten Turbulenzen in der gesamten Wirtschaft unberücksichtigt bleiben. bdp ist hier insbesondere durch die langjährigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der KfW gerne bei Fragen behilflich.
____Man kann aber auch Programme der Bundesländer nutzen.
Ja, auch einzelne Bundesländer haben regionale Programme aufgelegt. So ist in Sachsen durch die Richtlinie zur Stabilisierung des Mittelstands im Freistaat Sachsen ebenfalls ein Förderdarlehen mit Haftungsfreistellung beschlossen worden. Hier erfolgt über die SAB Sächsische Aufbaubank eine Refinanzierung der Hausbank mit sogenannter „Entlastungszusage“, die wirtschaftlich einer Haftungsfreistellung entspricht. Diese kann bis zu 80 % betragen.
Zur Prüfung ist ein zweistufiges Verfahren vorgesehen: ein vereinfachtes Verfahren bis zu einem Darlehensbetrag von 500.000 Euro und ein ausführlicheres Prüfverfahren bei einem höheren Betrag. bdp ist derzeitig mit der Beratung von etwa 12 Unternehmen im Freistaat Sachsen tätig und verfügt über jahrelange gute Arbeitsbeziehungen zur SAB, sodass Rückfragen jederzeit an den bdp-Berater gestellt werden können.
Aber auch andere Methoden zur Kapitalbeschaffung sind für einen erfahrenen Berater in diesem Umfeld noch möglich: So gibt es bei guten Begründungen auch Bürgschaften der einzelnen Bürgschaftsbanken der Bundesländer und ab einem gewissen Betrag auch Landesbürgschaften. bdp berät Sie hier gerne und kann auf erfolgreiche Vorhaben in den letzten Wochen verweisen, die ein Spezial-Know-how für den Umgang in dieser Rezession erfordern.
____Ihre Ausgangsthese war ja, dass der deutsche Mittelstand seine Eigenkapitalquote in letzter Zeit verbessert hat, sie aber immer noch nicht gut genug ist. Welche Ansatzpunkte hat er?
Wenn wir das Eigenkapital verstärken wollen und wenn wir es nicht zu Hause in der Schublade liegen haben, dann liegt es ja nahe, dass wir uns jemand ins Boot holen, der Eigenkapital mitbringt: Eine Beteiligung wäre ein solcher Ansatzpunkt. Mindestens sollten über eigenkapitalähnliche Finanzierungen nachgedacht werden, also stille Beteiligungen, Mezzanine oder Ähnliches. Es gibt rein kommerzielle Beteiligungsgesellschaften, die auf einen Mehrwert des Unternehmenswachstums aus sind. Es gibt aber auch, ich will mal sagen, Beteiligungsgesellschaften light, wie etwa die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG), wo ja auch ein gewisser Fördergedanke mitspielt. Oder ich suche mir einen strategischen Partner aus meiner Branche, der kann aus dem Kundenkreis oder Herstellerkreis kommen, mit dem ein Zusammengehen Sinn macht.
____Wie steht es mit Mezzanine? Große Mezzanine-Programme sind ja vom Markt verschwunden.
Man kann beobachten, dass Beteiligungsgesellschaften, die sehr eng mit Volks- oder Raiffeisenbanken verbunden sind, dazu übergehen, anstelle einer stillen Beteiligung ein Genussrecht, also eine Mezzanine-Finanzierung vergeben. Ein Beispiel, wo wir Mezzanine-Kapital in Form einer Hybrid-Finanzierung haben einwerben können, ist die Rungis Express AG (vgl. bdp aktuell 44), ein Premium-Lieferant für die Spitzengastronomie. Hybrid-Finanzierung deshalb, weil die Mezzanine-Tranche und die Floater-Tranche untrennbar miteinander verbunden sind.
____Wann kann ich die Mezzanine-Tranche eigentlich ins Eigenkapital buchen?
Dazu müssen mehrere Faktoren zugleich erfüllt sein: Die Finanzierung muss langfristig erfolgen, d. h. über mehr als fünf Jahre, es muss der Rangrücktritt erklärt worden sein und das Genussrecht muss auch am Verlust teilnehmen. Wenn das alles zutrifft, finde ich das Genussrecht im Eigenkapital der Bilanz wieder. Wird einer der Bedingungen nicht erfüllt, wird das Genussrecht, wie eine stille Beteiligung, unter den sonstigen Verbindlichkeiten bilanziert.
____Aber die Hohe Schule der alternativen Unternehmensfinanzierung ist doch die Unternehmensanleihe.
Ohne Zweifel: Ja! Erstaunlicherweise ruft diese uralte Finanzierungsform aber immer noch Erstaunen hervor, denn dass das für den Mittelstand auch geht, das ist relativ neu. Unternehmensanleihen gibt es seit Ende des vorletzten Jahrhunderts. Neu ist nun aber die Größenordnung. Bislang dachte man an Tranchen von 50, 100 oder mehr Millionen. Jetzt geht das aber auch für mittelständische Unternehmen mit Tranchengrößen von 6, 10 oder 15 Millionen. Wir haben das in den letzten drei Jahren bei etlichen Unternehmen geschafft. Das emittierte Volumen beläuft sich auf einen guten zweistelligen Millionenbetrag.
Dabei wird jeweils nach einer gründlichen Due Diligence von uns ein Wertpapierprospekt erstellt, den die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingehend prüft, und dann wird die Anleihe von einem von uns ausgesuchten Vertriebspartner bei den Anlegern platziert. Auf diesen Erfolg sind wir sehr stolz und wir sind auch stolz darauf, dass die von uns beratenen Unternehmen allesamt ihren Verpflichtungen nachgekommen sind und pünktlich sowie vollständig zurückbezahlt haben.
____Dr. Bormann, wir bedanken uns für dieses Gespräch.