Sanierungs-Due-Diligence // bdp aktuell 46 | November 2008

bdp schaut ganz genau hin

Dank systematischer Vorbereitung deckt bdp bei Sanierungs-Due-Diligence verschwiegene Verluste in Millionenhöhe auf

Produzierendes Unternehmen in den neuen Bundesländern
ca. 250 Mitarbeiter

MikroskopProjektskizze:

Das Unternehmen hatte einen Liquiditätskredit von bis zu 5 Mio. Euro bei seiner Hausbank beantragt, nachdem erst vier Monate zuvor schon ein Kredit genehmigt worden war. Die Hausbank hat daraufhin zunächst die Vorlage eines Sanierungskonzepts mit Fortführungsprognose verlangt.

Ausgangslage

Als wir mit einem 6-Personen-Team vor Ort eintrafen, hatten wir schon etliche Vorarbeiten geleistet. Vor jeder Sanierungs-Due-Diligence übersenden wir dem Unternehmen per E-Mail unseren aus jahrelanger Erfahrung entwickelten Toolset-Erhebungsbogen, der uns ausgefüllt zurückzusenden ist. Somit kommen wir bereits vorbereitet mit den wichtigsten Sanierungsindikatoren und Auswertungen ins Unternehmen. In diesem Fall war auffällig, dass bei einem nahezu ausgeglichenen Ergebnis ein extrem hoher Liquiditätsbedarf entstanden war.

Due-Diligence-Folgerungen und Prüfungsaufgaben

Bei einem solchen ersten Zwischenergebnis wird das Due-Dilgence-Team nicht nur mit erfahrenen Betriebswirten und Turnaround-Spezialisten besetzt, sondern auch mit ein oder gar zwei erfahrenen Prüfern. Neben den klassischen Untersuchungsfeldern der strategischen und operativen Ausrichtung des Unternehmens sowie der  Produkt-, Miet-, Markt- und Kostensituation sind insbesondere die Probleme Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit zu untersuchen.

Zusätzlich waren folgende Bereiche intensiv zu prüfen, die in einem Krisenunternehmen häufig kritisch sind:

  • Vollzähligkeit des Anlagevermögens
  • Vorhandensein und Altersstruktur des Vorratsvermögens
  • Werthaltigkeit der Forderungen
  • vollständige Verbuchung der Lieferantenrechnungen.

Weiterer Ablauf

Am ersten Tag konnten wir noch keine größeren Fortschritte erzielen. Das Management nannte als Ursache für den erheblichen Liquiditätsbedarf die Notwendigkeit eines schnellen Abbaus der Lieferantenverbindlichkeiten, um weiter beliefert zu werden. Die Herausgabe einzelner verlangter Unterlagen dauerte jedoch schon recht lange, was unsere prüferische Aufmerksamkeit erhöhte.

Am zweiten Tag gab es dann gleich in mehreren Prüfungsfeldern erhebliche Ungereimtheiten: Bei der stichprobenweisen Prüfung des Vorratsvermögens fehlten erhebliche Nummernkreise und bei der revisionsartigen Durchsicht des Schriftverkehrs und vor allem dort des Mahnverkehrs stießen wir auf angemahnte Lieferantenrechnungen, die sich nicht auf ersten Blick in der Kreditoren-Offene-Postenliste finden ließen.

Prüfungsergebnis

Am dritten Tag brach der Widerstand des Managements zusammen: Es wurde eingestanden, in den letzten Monaten die wirtschaftliche Lage für die Banken deutlich besser dargestellt zu haben als in Wirklichkeit. De facto waren ergebnisverbessernde Darstellungen in einer Gesamthöhe von 10 Mio. Euro vorgenommen worden, die sich auf rund 5 Mio. Euro zu hohe Bestandsbewertungen des Vorratsvermögens und 5 Mio. Euro nicht eingebuchte Lieferantenrechnungen verteilten.

Maßnahmen von bdp

  • Unternehmensanalyse mit detaillierten Krisenkennzahlen durch elektronisches Toolset
  • Sanierungs-Due-Diligence vor Ort mit betriebswirtschaftlichen und prüferischen Schwerpunkten
  • Fortführungsrechnung
  • Präsentation der Prüfungsergebnisse in großer Bankenrunde
  • Einleitung Sanierung durch Insolvenz und Investorensuche

Zeitraum

10 Tage im Juli 2008

Holger Schewe

„Eine Sanierungs-Due-Diligence in heutiger Zeit kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie sehr gut vorbereitet, zielgerichtet und zügig durchgeführt wird. Die Banken verlangen immer schnellere und fundierte Erkenntnisse. Dies geht nur mit einem starken analytischen Prozess, der bereits vor Eintreffen des Prüfungsteams vor Ort durch ein intelligentes Toolset vorbereitet wird. Vor Ort können dann bereits als Auswertung dieser ersten analytischen Erkenntnisse die Prüfungshandlungen wesentlich zielgerichteter durchgeführt werden, als dies früher der Fall war. Die Herangehensweise erlaubt uns auch bei größeren Unternehmen häufig innerhalb von 10 Tagen belastbare Ergebnisse vorzulegen, sodass häufig noch die Zeit bleibt, das Unternehmen tatsächlich – und sei es auch durch harte Maßnahmen – erfolgreich zu sanieren.“

Holger Schewe
ist Prokurist der bdp Venturis Management Consultants GmbH.

Dr. Michael Bormann

„Eine erfolgreiche Sanierung erfordert eine richtige Ausgangsbasis für die weitere Planung. Hier haben wir im Laufe der Jahre nicht nur einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut, sondern ein Toolset im Bereich der Analyse und Prüfungstechnik entwickelt, welches uns erlaubt, bedeutend schneller zum Kern vorzudringen und echte Sanierungsmaßnahmen einzuleiten. Der Erfolg in vielen Sanierungsfällen gibt uns hier recht.“

Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.