Unternehmensfinanzierung trotz Finanzkrise | bdp aktuell 44 | September 2008
Finanzierung im Mittelstand
Welche Optionen der Mittelstand in der Finanzkrise hat und wie bdp für seine Mandanten erfolgreich Finanzierungen realisiert
Kapital für den Mittelstand? Unternehmensfinanzierungen sind im Jahre 2008 wieder (einmal) bedeutend schwieriger zu bekommen, als noch in den „guten Zeiten“ der Jahre 2005 bis Mitte 2007, dem Beginn der internationalen Finanzkrise. Trotzdem konnte bdp allein im zweiten Quartal 2008 für seine Mandanten Finanzierungen mit einem Gesamtvolumen von über 20 Millionen Euro realisieren.
Der deutsche Mittelstand muss mit der Tatsache leben, dass die Zeiten billiger Kredite und leicht zu erhaltender Fremdmittel vorbei sind. Neben den allgemein gestiegenen Kapitalkosten wird für die mittelständische Wirtschaft immer mehr die Antwort auf die Frage, ob man überhaupt finanzierungsfähig ist, zu einem alles entscheidenden Faktor! Gut beraten ist, wer sich hierauf einstellt und weiß, dass ein Finanzierungsprojekt heutzutage einer noch gründlicheren Vorbereitung und eines noch längeren Vorlaufs bedarf, als noch vor einem guten Jahr. Weiterhin ist in einer guten Position, wer einen erfahrenen Berater an seiner Seite hat, der die heutigen Marktbedingungen und Marktteilnehmer genauestens kennt und für das Unternehmen die möglichen Finanzierungen zusammenstellt sowie die notwendigen Vorbereitungen trifft.
Wir geben einen Überblick über die möglichen Optionen und stellen drei praktische Beispiele aus unserer Beratungspraxis der jüngsten Vergangenheit vor.
Vor die Klammer gezogen: Rating ist beherrschendes Kriterium
Wer als Unternehmen die Signale der letzten zwei bis drei Jahre nicht verstanden hat, wird es bei allen Finanzierungsprojekten schwer haben. Ein schlechtes Rating insbesondere in den entscheidenden Punkten Eigenkapitalquote, Verschuldung und Ertragsstärke darf man nicht mehr vorweisen, ohne zumindest klare Maßnahmen zur signifikanten Verbesserung eingeleitet zu haben. Nicht nur die Kreditinstitute, sondern auch die Anbieter alternativer Finanzierungsformen müssen im Vergleich zu früheren Zeiten zwangsläufig den Rating-Ergebnissen eine größere Bedeutung beimessen, da sie wiederum die getroffenen Arrangements nur bei guten Noten realisieren können.
Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.
bdp hat bereits vor mehr als zweieinhalb Jahren auf die ganz grundlegende Bedeutung des Ratings hingewiesen und in bdp aktuell (Ausgabe 17 vom März 2006) sowohl auf die harten quantitativen Rating-Noten als auch auf die weichen qualitativen Rating-Kriterien aufmerksam gemacht. Die wesentlichen Kennzahlen des quantitativen Ratings entnehmen Sie bitte der unten stehenden Tabelle. Für das qualitative Rating sind folgende Kriterien ausschlaggebend:
- Kontoführungsverhalten
- Unternehmensorganisation
- Unternehmerbeurteilung und Unternehmensnachfolge
- Investitionsverhalten
- Qualität Rechnungswesen
- Jahresabschlussqualität
- Produkte und Dienstleistungen
- Wettbewerb, Markt und Marketing
- Informationsverhalten
Standardbewertung beim quantitativen Rating anhand der Kennziffernausprägung
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| Eigenkapitalquote | > 30 % | 20 – 30 % | 15 – 20 % | 10 – 15 % | 5 – 10 % |
| Working Capital Ratio | > 150 % | 130 – 150 % | 120 – 130 % | 110 – 120 % | 100 – 110 % |
| Gesamtkapitalumschlag | > 5-mal | 4 – 5-mal | 3 – 4–mal | 2 – 3–mal | 1 – 2–mal |
| Gesamtkapitalrentabilität | > 15 % | 10 – 15 % | 8 – 10 % | 5 – 8 % | < 5 % |
| Schuldentilgungsdauer | < 2 Jahre | 2 – 4 Jahre | 4 – 6 Jahre | 6 – 8 Jahre | 8 – 10 Jahre |
| Anlagendeckung | > 150 % | 125 – 150 % | 110 – 125 % | 105 – 110 % | 100 – 105 % |
Beratungsansatz bei Unternehmensfinanzierungen
Hieraus folgt die Notwendigkeit, sich bei neuen Finanzierungen stets auch die Frage der Auswirkung auf die Rating-Note zu stellen. So empfindet der Unternehmer naturgemäß Wachstum als etwas sehr Positives und Chancenreiches für die Zukunft.
Die Finanzierungsauswirkungen sind zunächst jedoch meistens genau gegenteilig: Wachstum bedeutet einhergehend mit steigenden Umsatzerlösen auch steigende Vorratsbestände und vor allem steigende Forderungsbestände. Werden diese fremdfinanziert, wächst die Bilanzsumme bei gleichbleibendem nominalen Eigenkapital, was rein mathematisch zu einer Senkung der Eigenkapitalquote führt. Diese Auswirkung gilt es, durch intelligente Finanzierungsmechanismen auszugleichen.
So kann man z. B. der Situation durch eine Factoring-Fianzierung begegnen, bei der durch sofortigen Forderungsankauf durch den Factorer sich Forderungsbestand und Verbindlichkeitenbestand sehr schnell „drehen“ und somit die Bilanzsummenverlängerung nicht oder nicht im vollen Umfang eintritt.
Ein sehr gutes Beispiel ist die in dieser Ausgabe dargestellte Finanzierung der HDM Handels GmbH, einem Unternehmen mit sehr guten Jahresergebnissen, aber steigenden Vorrats- und Forderungsbeständen, denen genau mit diesem Finanzierungsinstrument und einem kürzlich neu eingeworbenen Factoring-Rahmen von 1,2 Mio. Euro durch bdp wirksam geholfen werden konnte.
Unternehmensfinanzierung durch Kreditinstitute
Wenn auch schwieriger zu erhalten, stellen Unternehmensfinanzierungen durch Kreditinstitute im Mittelstand neben dem Lieferantenkredit immer noch die häufigste Fremdkapitalfinanzierung dar.
Das mittelständische Unternehmen muss hierbei jedoch die Rating-Anforderungen beachten und ggf. etwas umdenken: Seine Sparkasse oder Bank wird nicht in jedem Fall den gesamten Finanzbedarf eines Projektes oder einer Wachstumsphase mehr alleine darstellen wollen. Der Unternehmer sollte vielmehr prüfen, ob nicht Eigenkapitalmittel, eigenkapitalähnliche Mittel oder weitere alternative Finanzierungsformen mit dem klassischen Bankkredit kombiniert werden können.
Dies hat zwei Vorteile: zum einen den ganz praktischen, dass der Bank ggf. die Finanzierungszusage auch im schwierigeren Umfeld des Jahres 2008 leichter gemacht wird, zum anderen immer aber auch, dass die schon oben erwähnten Rating-Erfordernisse besser erfüllt werden. Solche Kombinationen von klassischem Bankkredit und alternativen Finanzierungsformen nennt man heutzutage „Hybridfinanzierungen“.
Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die gerade kürzlich erfolgreich durchgeführte Wachstumsfinanzierung der Rungis Express AG, die wir ebenfalls in dieser Ausgabe darstellen. Neben einem klassischen Kontokorrentkredit von 2,5 Mio. Euro der Kreissparkasse Köln wurde zum Ausgleich der Auswirkungen eines starken Wachstums auf das Rating eine Mezzaninetranche von 1,0 Mio. Euro hinzugenommen, die beim Rating als wirtschaftliches Eigenkapital gilt.
Kreditinstitutsnahe Finanzierungen
Objektfinanzierungen und Leasing
Diese Formen sind letztendlich einer Miete des betreffenden Wirtschaftsgutes oder aber einem Kredit (Mietkauf) ähnlich. Angeboten werden diese Finanzierungen häufig von Tochtergesellschaften von Kreditinstituten oder aber herstellernahen Spezialbanken. Diese Banken stehen dem zu finanzierenden Wirtschaftsgut häufig näher, als eine klassische Universalbank. Deswegen sind diese Objektfinanzierungen manchmal noch möglich, wo die Geschäftsbank schon keinen Kredit mehr gewährt.
Factoring
Factoring ist der Forderungsverkauf an das Factoring-Institut, das sofort zwischen 85 % und 90 % der Forderungssumme an das Unternehmen auszahlt, den Rest dann nach Eingang der Forderung des Kunden. Hierdurch verkürzt sich die Bilanz und verstärkt sich rein mathematisch schon die Eigenkapitalquote des Unternehmens. Sehr maßgeblich ist die Bonität der Kunden des Unternehmens, weil es ja um deren aufgekaufte Forderungen geht. Insofern ist Factoring manchmal auch dann noch durchführbar, wenn ein klassischer Kontokorrent alleine nicht mehr zu erhalten ist, wobei heutzutage natürlich auch Factoring-Gesellschaften verstärkt auf die Rating-Noten des betreffenden Unternehmens blicken.
Fine-Trading
Fine-Trading ist eine in Deutschland relativ neue Vorfinanzierungsform des Einkaufsverhaltens und ist damit bildlich gesprochen ein „gespiegeltes Factoring“. Während beim Factoring eine Absatzvorfinanzierung erfolgt (durch Ankauf der Forderungen), ist das Fine-Trading eine Vorfinanzierung des Einkaufs. Als Sicherheit dient das gekaufte Vorratsvermögen. Im Idealfall finanziert sich das Fine-Trading aus der durch die sofortige Zahlung an den Lieferanten erzielbaren größeren Skonto-Margen selbst. Fine-Trading ist immer dann gut einsetzbar, wenn z. B. durch Exportwege der Zeitraum zwischen Warenbeschaffung und Rechnungsstellung an den Kunden sehr groß ist.
Projektsonderkontenfinanzierung
Diese von bdp vor über 15 Jahren entwickelte Spezialfinanzierungsform einzelner (Groß-)Projekte setzt sich derzeit immer stärker durch. Finanziert wird nicht ein genereller dem Unternehmen zur Verfügung gestellter Kreditrahmen, sondern ein spezielles, abgrenzbares und vor allem zur Sicherheit der Geldgeber überwachtes Projekt. Nicht selten lässt sich hierdurch sowohl ein spezieller Projektsonderkredit erreichen als auch die Bereitschaft der Lieferanten, ohne oder mit niedrigerer Anzahlung zu liefern, was die Liquidität des leistenden Unternehmens deutlich verbessert.
Mezzanine
„Mezzanine – gibt es das denn wirklich noch?“ – ist die uns häufig von Mandanten gestellte Frage, wenn wir diese intelligente Finanzierungsform „zwischen Eigen- und Fremdkapital“ ins Gespräch bringen.
Richtig ist, dass nach dem Boom von Mezzanine in den Jahren 2004 bis 2006 bei vielen standardisierten Produkten (z. B. Preps, H.E.A.T., Advisum, SME etc.) im Jahr 2007 ein jäher Absturz erfolgte. Nachfolgeprogramme z. B. für Preps sind nicht in Sicht. Andere groß angelegte Mezzaninefonds konnten auch von namhaften Adressen wie z. B. Lehman Brothers nicht am internationalen Kapitalmarkt platziert werden und sind vollkommen gescheitert.
Dennoch gibt es noch immer diese Form der Finanzierung aber natürlich nicht mehr von den großen Standardanbietern. Und auch die IKB wird nach dem Verkauf an Lone Star mit Sicherheit nicht mehr in diesem Segment tätig sein. Aber wer den Finanzierungsmarkt genau kennt, kann doch noch an vielen Stellen fündig werden.
Ein gutes Beispiel ist die bereit erwähnte Finanzierung von Rungis Express.
Die einzelnen Ausprägungen des Mezzanine sind individuell auszuhandeln und unterscheiden sich selbstverständlich von Anbieter zu Anbieter. Grundsätzlich differenziert man in echtes bilanzielles Eigenkapital, was sehr selten anzutreffen ist, wirtschaftliches Eigenkapital (mindestens fünf Jahre Laufzeit, erklärter Rangrücktritt) und reines Fremdkapital.
Hinsichtlich Vergütungsformen und Auflagen (sogenannte Covenants) können die Mittel außerordentlich unterschiedlich ausgestaltet sein. Die Verzinsung kann entweder als Festverzinsung meist zwischen 9 % und 12 % p. a. betragen, jedoch durchaus auch variable zusätzliche Komponenten enthalten, die entweder jährlich in Abhängigkeit des Gewinnes oder am Ende der Laufzeit in Abhängigkeit eines errechneten Unternehmenswertes bezahlt werden.
Unternehmensanleihen („Mini-Bonds“)
Unternehmensanleihen sind schlichtweg der innovative Renner bei alternativen Finanzierungen. bdp ist in diesem Segment einer der Marktführer: Über 15 erfolgreich begleitete Anleihen in den letzten drei Jahren mit einem kumulierten Volumen von über 120 Mio. Euro sprechen hierbei eine deutliche Sprache.
Die Anleihen sind in der Regel börsengelistet mit einem festen Zinssatz (z. Zt. zwischen 9 % und 10 % p.a.) und einem festen Rückzahlungstermin.
Der Vorteil für den Anlieger besteht darin, dass dieses Wertpapier depot- und börsenfähig ist. Dies erleichtert die Platzierung, denn der Anlieger kann börsentäglich aus dieser Anlage wieder aussteigen. Für das Unternehmen ergibt sich der Vorteil, dass trotz festem Rückzahlungstermin durch Rückkäufe der eigenen Anleihe Tilgungen quasi simuliert werden können.
Die Laufzeit liegt üblicherweise zwischen fünf und acht Jahren, die Zinszahlungen sind entweder viertel- oder halbjährlich zu leisten.
Natürlich muss die Bonität des Emittenten stimmen. Nur wenn die eingeschalteten Vertriebe und letztendlich die Anlieger selbst davon überzeugt werden können, dass der Emittent den Kapitaldienst und die Rückzahlungen der Anleihe gewährleisten kann, wird eine Platzierung erfolgreich durchgeführt werden können.
Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Es gibt in Deutschland einige Anbieter, die Unternehmen behilflich sein wollen, Unternehmensanleihen aufzulegen. Nicht wenige von diesen Dienstleistern haben einen rein juristischen Hintergrund. Die können natürlich einen nach dem Wertpapierprospektgesetz einwandfreien Wertverkaufsprospekt erstellen. Und bei den sehr harten Anforderungen des BaFin (Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen) ist das selbstverständlich eine unabdingbare Voraussetzung. Aber ein juristisch korrekter Prospekt allein bringt ja nicht die gewünschte Liquidität: Die gibt es erst und ausschließlich durch die erfolgreiche Platzierung bei den Anlegern!
Seriöse Anbieter wie bdp, die eine erfolgreiche Platzierung organisieren können, erkennt man daran, dass für die Erstellung des Prospektes selbst kein hohes Pauschalhonorar, sondern eine variable Vergütung vereinbart wird, die sich nach dem später tatsächlich platzierten Volumen richtet.