Unternehmensfinanzierung | bdp aktuell 43 | Juli + August 2008
Private Equity in Familienunternehmen
Empirische Studie zeigt Zufriedenheit bei Finanzierungen durch Minderheitenbeteiligungen wenn professionelle Begleitung erfolgt

Die Vorbehalte von Familienunternehmen gegenüber Private-Equity-Gesellschaften sind in Deutschland noch sehr stark ausgeprägt. Die aufkommende generelle Kreditklemme, die vorwiegend durch die Subprimekrise ausgelöst wurde, lässt viele Unternehmer über Handlungsoptionen nachdenken. Auch durch die stark eingeschränkten Verbriefungsmöglichkeiten ist der klassische Mezzanine-Markt deutlich zurückgegangen. Die Finanzierung über die Einbindung einer Minderheitenbeteiligung eines Private-Equity-Unternehmens kann da eine Alternative darstellen.
Aktuelle Ergebnisse der durch die Stiftung Familienunternehmen bei der Technischen Universität München in Auftrag gegebene Studie (Download unter www.familienunternehmen.de) widerlegen von der Grundaussage der befragten Unternehmen die negativen Erwartungen an eine derartige Beteiligungs- und Finanzierungsform. So wurden im Rahmen der Studie neben den 27 Unternehmen mit Private-Equity-Beteiligungen von 11 bis 49 Prozent auch Beteiligungsgesellschaften und andere Experten zu dem Thema befragt. Im Ergebnis hat sich die deutliche Mehrheit der Unternehmen mindestens zufrieden über diese Engagements geäußert.
Matthias Kramm
ist Senior Consultant und Prokurist der bdp Venturis Management Consultants GmbH.
In Abgrenzung zu anderen Finanzierungsformen wurden neben dem reinen Finanzierungsaspekt auch andere Vorteile in den Vordergrund gestellt. So wurde an die Einbindung der Private-Equity-Gesellschaft auch die steigende Professionalisierung, Verbesserung der Kapitalstruktur, externe Expertise oder bei problematischen Gesellschaftersituationen die neutrale Moderatorenfunktion geknüpft. Die mehrheitlich positiven Auswirkungen waren der Studie zufolge vor allem in den Bereichen Corporate Governance, Controlling und Reporting zu bemerken. Ferner führten die in der Regel gut ausgebauten Netzwerke der Investoren zu neuen Kooperations- bzw. Geschäftsmöglichkeiten. Auch in den Bereichen Human Ressource bei Führungskräften waren die Kontakte und Erfahrungen der Private-Equity-Gesellschaften hilfreich.
Nach Schätzungen der TU München kommen rund 3.000 bis 4.000 Unternehmen für eine derartige Finanzierungsform in Frage. Gerade aus Sicht der Investoren gehen viele Unternehmen sehr unvorbereitet an das Thema heran. Die vielschichtigen Motive bei der Suche nach Kapitalgebern zeigen bei der Einbindung von Private-Equity-Beteiligungen deutlich auf, dass bei der Auswahl insbesondere eine professionelle Begleitung durch Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte unabdingbar ist.
Klarer Entscheidungsfaktor einer Minderheitenbeteiligung gerade bei Familienunternehmen ist das Vertrauen in die Motive der Investoren. Dabei muss die Differenzierung in Bezug auf die Haltedauer, Renditeerwartung und der erwarteten Einflussnahme geprüft werden. Auch die rechtliche Ausgestaltung muss zur Vermeidung zukünftiger Dissonanzen vorab detailliert geregelt werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen zudem auf, dass es mit Abstand am wichtigsten ist, dass es auch zwischenmenschlich passt.
Es lässt sich festhalten, dass die Minderheitenbeteiligungen von Private-Equity-Gesellschaften an Familienunternehmen eine attraktive Option bei der Lösung von Finanzierungsbedürfnissen oder gesellschaftsrechtlichen Herausforderungen ist. Sie sollten nicht aus Angst vor Heuschreckenplagen vorschnell abgelehnt werden.
bdp begleitet Sie im gesamten Prozess, wenn Sie eine Private-Equity-Beteiligung erwägen sollten. Wir treffen eine Vorauswahl geeigneter Partner, verhandeln Konditionen und vertreten konsequent Ihre Interessen.