Serie: Unternehmensnachfolge (2) | bdp aktuell 38 | Februar 2008
Wertsachen
Realistische Wertermittlungen sind ausschlaggebend für erfolgreiche Unternehmensnachfolgen. Wir stellen die gängigen Methoden vor
Wir setzen in dieser Ausgabe von bdp aktuell unsere Serie zur Unternehmensnachfolger- und Investorensuche fort und zwar mit zwei Interviews: bdp-Gründungspartner Dr. Michael Bormann erläutert, wie der Unternehmenswert bestimmt wird und Matthias Schipper stellt erfolgversprechende Methoden der Suche vor.
____Herr Dr. Bormann, Sie hatten in der letzten Ausgabe von bdp aktuell falsche Vorstellungen über den Wert des Unternehmens als größtes Hindernis für die Realisierung einer erfolgreichen Nachfolger- oder Investorensuche bezeichnet. Wir wollen deshalb jetzt besprechen, wie man zu einer realistischen Wertermittlung kommen kann. Was ist dabei zu beachten?
Zunächst einmal müssen wir akzeptieren, dass sich Unternehmenswerte aus unterschiedlicher Perspektive verschieden darstellen, also naturgemäß die Vorstellungen von Käufer und Verkäufer nicht identisch sind. Aber diese jeweiligen Vorstellungen lassen sich objektivieren, indem man die subjektiven Entscheidungswerte der Verhandlungspartner ermittelt. Unter Berücksichtigung der individuellen Vorstellungen und Verhältnisse lässt sich zum Beispiel die Preisobergrenze des Käufers oder die Preisuntergrenze beim Verkäufer ermitteln.
Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.
____Das ist dann aber nicht der tatsächliche Wert.
Nein, der ergibt sich in der Regel erst nach Preisverhandlungen, bei denen die Vorstellungen beider Seiten gegeneinander abgewogen werden. Je rationaler das erfolgt, umso erfolgreicher ist man. bdp übernimmt selbstverständlich solche Argumentationsfunktionen zur Unterstützung unserer Mandanten in Vertragsverhandlungen. Bei der Durchführung von Unternehmensbewertungen treten wir auch mit einer Beratungsfunktion auf zur Ermittlung eines entscheidungsrelevanten objektivierten Unternehmenswertes oder mit einer Schiedsgutachterfunktion zur Ermittlung eines fairen Einigungswertes.
Der objektivierte Unternehmenswert wird idealerweise losgelöst von den Wertvorstellungen der beteiligten Parteien ermittelt und ist ein typischer Zukunftswert, der sich bei Fortführung des Unternehmens mit unverändertem Konzept und mit alle realistischen Zukunftserwartungen bezüglich der Marktchancen, finanziellen Möglichkeiten und sonstigen Einflussfaktoren ergibt. Bei Gutachten zum Einigungswert werden die subjektiven Vorstellungen berücksichtigt und unter objektiven Gerechtigkeitserwägungen ein für beide Seiten akzeptabler Wert vorgeschlagen.
____Welche Methoden der Objektivierung wenden Sie an?
Das kann je nach Bewertungszweck unterschiedlich sein. Wenn etwa der Barwert der Liquidationserlöse größer ist als der Barwert der Nettozuflüsse bei Unternehmensfortführung, ist die Liquidationswertmethode sinnvoll. Der Liquidationswert errechnet sich aus der Summe der Nettozuflüsse in Geld bei Auflösung des Unternehmens abzüglich der Liquidationskosten und der Ertragssteuern. Auch wenn der Betrieb ansons-ten fortgeführt werden soll, können Liquidationswerte für unrentable Unternehmensteile Sinn machen.
Die Substanzwertmethode hat ebenfalls keine eigenständige Bedeutung. Dabei wird nach den Mitteln gefragt, die zur Wiederherstellung des Unternehmens aufzuwenden wären. Der Substanzwert errechnet sich aus der Summe der mit Wiederbeschaffungspreisen bewerteten Vermögensgegenstände und Schulden. Als ergänzende Methode kann sie durchaus zur Anwendung kommen.
____Aber die Wirtschaftskraft des Unternehmens wird damit nicht erfasst.
Korrekt, deshalb ist die häufigste Methode auch die sogenannte Ertragswertmethode. Der Wert eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag wird hiernach als Summe aller diskontierten zukünftigen Nettozuflüsse aus dem Unternehmen an die Eigner, also die Ausschüttungen, verstanden. Der so ermittelte Barwert wird als Ertragswert definiert, der um die Werte des nicht betriebsnotwendigen Vermögens ergänzt wird. Man unterstellt, dass das Unternehmen fortgeführt und nicht zerschlagen wird. Anders als die Substanzwertmethode, die den Unternehmenswert nur als Summe der einzelnen Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden bestimmt, will die Ertragswertmethode den Erfolg aus dem Zusammenwirken aller Faktoren ermitteln. Es wird dazu eine plausible Planung für die nächsten zwei, drei Jahre aufgestellt und dann der durchschnittliche Ertrag mit einem Kapitalisierungszins auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Besonders wichtig ist dafür die sorgfältige Analyse der Vergangenheitszahlen, damit eine sachgerechte Bereinigung der jeweils ausgewiesenen Ergebnisse erfolgen kann.
____Was hat es mit der Discounted-Cash-Flow-Methode auf sich?
Die DCF-Methode ist eine Variante des Ertragswertverfahrens. Sie eignet sich vor allem für die Bewertung börsennotierter Gesellschaften. Im Gegensatz zum Ertragswertverfahren werden hier nicht die zukünftigen Gewinne, sondern der zukünftige Cash-Flow mit dem Kapitalisierungszinsfuß abgezinst. Damit rücken die Finanzierungsstrukturen stärker ins Zentrum der Analyse.
____Gibt es auch einfachere Methoden als die von Ihnen genannten?
Ja, es gibt die vereinfachte Preisfindung. Dabei wird der Unternehmenswert als Produkt aus einer Bezugsgröße, zum Beispiel Umsatz, Jahresüberschuss, Cash-Flow usw., und einem branchen- und unternehmensspezifischen Multiplikator ermittelt. Diese stark vereinfachte Form der Ertragswertmethode rechnet also mit der Formel Wert gleich Bezugsgröße mal Multiplikator. Die Zeitschrift FINANCE veröffentlicht regelmäßig die aktuelle Bandbreite der EBIT- und Umsatzmultiplikatoren für unterschiedliche Branchen und Betriebsgrößen. Die letzten Multiples finden Sie unter www.bdp-aktuell.de/38/FinanceMultiples.pdf.
____Herr Dr. Bormann, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.