Serie: Unternehmensnachfolge (2) | bdp aktuell 38 | Februar 2008

Wer bietet mehr?

Methoden der Nachfolgesuche sind dann effektiv, wenn sie streng analytisch und mit straffem Zeitplan durchgeführt werden

Wir setzen in dieser Ausgabe von bdp aktuell unsere Serie zur Unternehmensnachfolger- und Investorensuche fort und zwar mit zwei Interviews: bdp-Gründungspartner Dr. Michael Bormann erläutert, wie der Unternehmenswert bestimmt wird und Matthias Schipper, Geschäftsführer der bdp Venturis Management Consultants GmbH, stellt erfolgversprechende Methoden der Suche vor.

____Herr Schipper, gibt es bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder Investor eine besonders erfolgreiche Methode?

Erfolgreich sind alle Methoden, die streng analytisch und mit einem straffen Zeitplan vorgehen. Das schließt langfristige Strategien nicht aus. Aber man sollte diese Suche sehr ernst nehmen, und nicht herumlavieren oder nur unverbindliche Gespräche führen. Das ist sehr kontraproduktiv.

Matthias Schipper

Matthias Schipper
ist Geschäftsführer der bdp Venturis Management Consultants GmbH.

____Wo setzt bdp bei mittelständischen Unternehmen an?

Im Mittelstand ist es sehr Erfolg versprechend, zunächst das direkte Umfeld des Unternehmers zu analysieren: Die klassische Familiennachfolge lässt sich mit dem bdp-Prüfschema (vgl. bdp aktuell 37) analysieren. Dann sollte das individuelle Netzwerk des Unternehmers untersucht werden: Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter, ja sogar Wettbewerber können geeignete Kandidaten sein. Kommt der Nachfolger aus diesem Bereich, nutzen Sie den Vorteil, dass er die Besonderheiten Ihres Betriebs kennt. Umgekehrt kennen Sie ihn und können seine Eignung besser beurteilen. Bei Nachfolgen für inhabergeführte Unternehmen dürfen die emotionalen Bindungen nicht vernachlässigt werden.

____Dann sind Auktionen wohl eher ungeeignet?

Warum denn? bdp hat sowohl die individuelle Suche als auch die Auktion bereits erfolgreich praktiziert. In einer Auktion wurde ein Bergbau-Ingenieurunternehmen mit nahezu 100 Mitarbeitern in der Oberlausitz veräußert, für den es ansonsten keinerlei Käufer gegeben hätte. Aber Sie haben natürlich insofern recht, dass reine Auktionen eher infrage kommen, wenn eine schnelle und unaufgeregte Veräußerung angestrebt wird.

____Sind denn Nachfolgebörsen ein geeignetes Suchinstrument?

Selbstverständlich. Viele Unternehmensgründer möchten ja einen bestehenden Betrieb kaufen. Deshalb ist die Nachfrage z. B. bei www.nexxt.org recht groß.

____Ist die Angst im Mittelstand berechtigt, dass bei Nachfolgesuchen die Verkaufsabsichten zu früh bekannt werden und die Vertraulichkeit nicht gewährleistet werden kann?

Bei einer professionellen Abwicklung ist diese Angst eher nicht berechtigt. Diese Gefahren drohen mehr, wenn die Nachfolgesuche unsystematisch und improvisierend angegangen wird. Durch sorgfältige Vorbereitung, nämlich eine Anonymisierung der zur Verfügung gestellten Unterlagen und ein erfahrenes Projektmanagement können die Verkaufsabsichten sehr lange nicht öffentlich bleiben.

Häufig kombiniert bdp aber auch die Methoden und führt ein Bieterverfahren durch, womit sich bessere Erlöse erzielen lassen. Dabei werden zunächst mehrere Interessenten recherchiert und dann gebeten, innerhalb einer Frist Angebote abzugeben. In jedem Fall benötigt das Unternehmen aber ein professionelles Infomemorandum, aus dem die Marktpräsenz, die Performance und der strategische Nutzen für den Investor hervorgehen muss.

____Herr Schipper, wir danken Ihnen für das Gespräch.