Kapitalbeschaffung // bdp aktuell 35 | November 2007

Börsengang für den Mittelstand

Das Listing im Entry Standard ist auch für den Mittelstand machbar und ein intelligenter Baustein zur Unternehmensfinanzierung

Wie bereits in früheren Ausgaben von bdp aktuell dargestellt, nimmt trotz bleibender Grundversorgung durch die Banken die alternative Unternehmensfinanzierung im Mittelstand erheblich an Bedeutung zu.

Die „Kür“ der alternativen Unternehmensfinanzierung ist für jedes Unternehmen der Börsengang. Nun unterscheidet man hier zwischen zwei Segmenten, nämlich dem Freiverkehr und dem geregelten Markt. Für mittelständische Unternehmen bietet sich aufgrund der erheblich geringeren Zugangs- und Formvorschriften zunächst der Freiverkehr an und hier das Listing im relativ neu von der Frankfurter Wertpapierbörse geschaffenen Entry-Standard. Ziel des neuen Entry-Standards ist es, neben dem amtlichen und geregelten Markt kleineren und mittelständischen Unternehmen einen weiteren Kapitalmarktzugang zu eröffnen.

Die von bdp häufig empfohlene Strategie besteht darin, zunächst nur überschaubare Aktienanteile als sogenannte „Free-Floats“ an die Börse zu bringen, dann durch gute Unternehmensergebnisse den Kurs auf einen positiven Weg zu bringen und schließlich später eine größere Kapitalmaßnahme durchzuführen. Diese kann entweder im Rahmen einer Unternehmensfinanzierung darin bestehen, dass eine Kapitalerhöhung durchgeführt wird und somit das Unternehmen über die Börse frisches Kapital zur Finanzierung von Investitionen und Wachstum erhält. Oder aber auch mittelständische Unternehmer nutzen eine völlig neue Dimension der Unternehmensnachfolge und trennen sich von Gesellschaftsanteilen und Management. So ist es selbstverständlich bei positiver Kursentwicklung möglich, über die Jahre sukzessive weitere Anteile des Alt-Unternehmers abzugeben. Bei positiver Kursentwicklung dürfte der für den Unternehmer erzielbare Erlös deutlich über dem Preis liegen, der bei einem Gesamtverkauf des Unternehmens erzielbar wäre.

Dr. Michael Bormann

Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Im Entry-Standard sind zwei mögliche Wege an die Börse vorgesehen. Die schlankste Variante ist die Privatplatzierung an einen geschlossenen Anlegerkreis. Der Nachteil liegt hier in der praktischen Durchführbarkeit und den erheblichen Haftungsrisiken für Vorstand, Wertpapierhandelshaus und IPO-Berater.

Der zweite Weg ist das öffentliche Angebot. Es erfordert die Erstellung eines Verkaufsprospekts, der der BaFin vorzulegen ist und von dieser genehmigt werden muss. Hier sind erfahrene Berater notwendig, die bereits mehrere BaFin-Verfahren erfolgreich durchgeführt haben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit einem ausführlichen Verkaufsprospekt sind mögliche Risiken der Anlage bekannt, was wiederum das Haftungsrisiko des Emittenten reduziert.

Im Unternehmen müssen kapitalmarktorientiert Strukturen geschaffen werden. Hierzu zählen insbesondere die Erstellung eines Konzernabschlusses nach IFRS (erlaubt ist derzeit auch noch der HGB-Konzernabschluss) und, zumindest auf Quartalsbasis, ein straffes Berichts- und Controllingwesen, das sowohl die Erstellung eines Bilanzstatus, einer Gewinn- und Verlustrechnung und einer Cashflow-Rechnung umfasst.