Bewerten und prüfen im M&A-Prozess // bdp aktuell 32 | Juli + August 2007
Der Mix macht's
Wer keine Abwertung beim Verkaufserlös hinnehmen will, sollte eine Verbesserung des Eigenkapitalanteils anstreben
____Herr Dr. Bormann, bereits in Ausgabe 31 von bdp aktuell haben wir berichtet, dass M&A-Prozesse für den Mittelstand eine wachsende Rolle spielen. Dies wird nun durch aktuelle Zahlen untermauert.
Ja, letzte Erhebungen haben ergeben, dass 2007 alle Rekorde für Mergers & Aquisitions zu brechen verspricht. Im ersten Halbjahr lag das Volumen von M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung bereits bei über 140 Milliarden Dollar, das sind gut 105 Milliarden Euro. Damit liegen wir schon knapp ein Drittel über dem Stand des ersten Halbjahrs 2006. Bislang lag der Rekord bei knapp 130 Milliarden Dollar für das erste Halbjahr 2000. Weltweit ist die Zunahme sogar noch größer: Da liegt das Plus bei 46 Prozent.
____Deutsche Firmen sind chronisch unterkapitalisiert. Wie schlägt sich dies in M&A-Prozessen nieder?
Wir beobachten seit Jahren eine abnehmende Eigenkapitalquote bei deutschen Unternehmen. Stellt man branchentypische Besonderheiten hintan, dann liegt die typische deutsche Eigenkapitalquote oft bei weniger als 20 Prozent. In einem Ratingprozess bekommen Sie auf der Notenskala von 1 bis 5 hierfür nur eine 3. In Deutschland teilen wir dieses Schicksal beispielsweise mit Frankreich, aber das ist auch kein Trost, wenn man sieht, dass angelsächsische Firmen in der Regel Eigenkapitalquoten von mehr als 30 Prozent ausweisen.
Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.
____Eine geringe Eigenkapitalquote gibt doch nicht nur ein schlechteres Rating, sondern generell eine schlechtere Unternehmensbewertung.
Zunächst bedeutet Unterkapitalisierung, dass das Verhältnis von bilanziellem Eigenkapital zur Bilanzsumme nicht zur Unternehmensgröße und zu den Unternehmenszielen passt. Bei der Unternehmensbewertung kommt aber neben dieser statischen Relation noch eine dynamische Betrachtung dazu: Man muss fragen, ob die Kapitalquote zukünftig ausreicht, die geplanten Erträge zu realisieren. Denn eine Unterkapitalisierung bedeutet ja nicht in jedem Fall, dass das Unternehmen aktuell ertragsschwach ist. Ausschüttungen und Entnahmen oder Kapitalreduzierungen können den Kapitalmix auch bei einem ertragsstarken Unternehmen verschlechtern. Aber es ist klar, dass eine Unterkapitalisierung in der Zukunft das Wachstum hemmen und das Risiko steigern kann. Und hie-rauf stellt die Unternehmensbewertung ab: Reicht das Eigenkapital zur Finanzierung des erwarteten Wachstums?
____Wie wirkt sich eine Unterkapitalisierung auf geplante Transaktionen aus?
Sie mindert in jedem Fall den möglichen Erlös. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, die Unterkapitalisierung bei der Bewertung zu berücksichtigen: Entweder werden die Prognosen an die aktuelle Finanzsituation angepasst, d. h. nach unten korrigiert. Dann sinkt der Unternehmenswert und damit der mögliche Erlös. Oder es wird ermittelt, welche Finanzausstattung nötig wäre, um die Prognosen zu realisieren. Aber auch dies führt schlussendlich zu einem geringeren Erlös, weil vom Bewertungsergebnis jene Summe abgezogen werden muss, die zusätzlich nötig ist, um die bessere Kapitalausstattung zu erreichen.
____Und wenn die Eigenkapitalquote vorher verbessert wird?
Da liegt des Pudels Kern! Neben allen branchentypischen oder konjunkturellen Besonderheiten, die im Bewertungsprozess berücksichtigt werden müssen, ist die entscheidende Frage, ob nicht die Eigenkapitalaustattung verbessert werden kann. Hierfür gibt es eine Fülle von Möglichkeiten, die bdp in den vergangenen Jahren erfolgreich angewandt hat, um den Kapitalmix seiner Mandanten zu verbessern. Dies kann durch die Aushandlung von Rangrücktritten oder durch Kapitalerhöhungen, bspw. durch Mezzanine-Finanzierungen, ermöglicht werden. Welche Formen moderner Unternehmensfinanzierung jenseits des Bankkredits hierbei im Spektrum von Genussrechten über Anleihen bis zum Börsengang gewählt werden, muss im Einzelfall systematisch untersucht und individuell entschieden werden. Aber wer eine M&A-Transaktion plant, sollte sich mit einem schlechten Kapitalmix nicht das Geschäft verderben lassen.
____Herr Dr. Bormann, wir danken Ihnen für das Gespräch.