Abgeltungsteuer // bdp aktuell 32 | Juli + August 2007

Raus aus Aktien?

Die Abgeltungsteuer setzt falsche Zeichen und verschlechtert die Anlagemöglichkeiten

Ab 2009 bekommt der Staat von allen Kapitalerträgen pauschal 25 Prozent. Diese Abgeltungssteuer wird direkt von den Banken und Sparkassen abgeführt. Davon werden zweifellos Anleger mit hohem Einkommen und konservativen Anlagestrategien profitieren. Wer sich mit Zinseinkünften zufrieden gibt, darf sich freuen: Musste er diese bislang mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz von bis zu 47 Prozent versteuern, so bietet ihm die Abgeltungsteuer nun eine deutliche Zinsersparnis.

Wer auf profitablere Aktien setzt, wird bestraft. Mit der kommenden Abgeltungsteuer fallen nämlich die Spekulationsfrist auf Kursgewinne und die reduzierte Dividendenbesteuerung weg. Bislang fielen Steuern nur an, wenn Aktien binnen eines Jahres nach Erwerb mit Gewinn verkauft wurden. Ab 2009 aber ist das Viertel für den Fiskus immer fällig, unabhängig von der Haltezeit der Aktien. Damit werden Aktieninvestitionen in Deutschland unattraktiver. Das proklamierte Ziel, die Kapitalflucht zu verhindern, wird so wohl nicht erreicht.

Gleichzeitig wird ein anderes offizielles Politikziel konterkariert, nämlich  die private Altersvorsorge zu fördern. Vor allem langfristige Vorsorge-Anlagen in Aktienfonds werden deutlich unprofitabler. Konnten hier bei monatlichen Einzahlungen von 100 Euro und einer Rendite von gut 8 Prozent über 30 Jahre etwa 150.000 Euro erwirtschaftet werden, so bleiben nun nur noch weniger als 120.000 Euro. Förderlich wären reduzierte Steuersätze, höhere Freibeträge und Steuerfreiheit nach bestimmten Fristen gewesen. So aber werden Anleger entweder in weniger profitable Zinspapiere oder hoch riskante Aktien getrieben.

Um das Schlimmste zu verhindern, bleibt jetzt nur, 2007 und 2008 Kursgewinne vorzuziehen und Zinserträge nach hinten zu verlagern.