Immobilienanlagen // bdp aktuell 30 | Mai 2007
„In REITs steckt erhebliches Potenzial“
Seit Jahresanfang besteht nun auch in Deutschland ein Markt für an der Börse handelbare Immobilien
____Frau Hagemeier, wir haben im vergangenen Sommer bereits über die geplante Einführung von so genannten Real Estate Investment Trusts berichtet. Damals waren noch viele Fragen offen. Wie ist jetzt der Stand der Dinge in Sachen REITs?
Das Gesetz zur Schaffung deutscher Immobilien-Aktiengesellschaften mit börsennotierten Anteilen wurde vom Bundestag am 23.03. und vom Bundesrat am 30.03.2007 beschlossen. Damit wurden REITs in Deutschland eingeführt und zwar rückwirkend zum 01.01.2007. Seit Jahresanfang besteht nun auch bei uns ein Markt für an der Börse handelbare Immobilien.
____Wie groß ist das Potenzial für REITs?
In REITs steckt erhebliches Potenzial! Die Initiative Finanzstandort Deutschland, die IFD, schätzt das Marktpotenzial aus dem Unternehmenssektor auf bis zu 55 Mrd. Euro. Das ist eine Größenordnung, die durch andere Experten bestätigt wird. Eine Studie von Roland Berger geht bis 2010 von einem Marktvolumen von 57 Mrd. Euro aus.
Martina Hagemeier
ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberaterin, Geschäftsführerin der bdp Revision und Treuhand GmbH und seit 1996 Partnerin
bei bdp Berlin.
____Was macht REITs für Unternehmen so attraktiv?
Die so genannte Exit-Tax besagt, dass Unternehmen, die Immobilien an einen REIT verkaufen, die Gewinne aus dem Verkauf bis einschließlich 2009 nur zur Hälfte versteuern müssen. Damit ist es für Unternehmen attraktiv, die oftmals seit Jahren in den Bilanzen schlummernden stillen Reserven an einen REIT zu verkaufen. Voraussetzung für die Exit-Tax ist allerdings, dass diese Immobilien mindestens fünf Jahre im Besitz des Unternehmens waren. Im Regierungsentwurf waren zunächst zehn Jahre festgelegt.
____Aber die Exit-Tax gilt nicht für offene Immobilienfonds.
Nein, im Gegensatz zum Regierungsentwurf gilt sie hier nicht. Man will damit unerwünschte Sale-and-lease-back-Konstruktionen und damit einhergehende Steuerausfälle vermeiden.
____Wie werden REITs steuerlich behandelt?
Wie ihre ausländischen Vorbilder sind auch die deutschen REITs auf der Unternehmensebene steuerbefreit, soweit sie sich auf ihre Haupttätigkeit beschränken. Dazu gehört unter anderem, dass die Aktiengesellschaft mindestens 75 % ihrer Erträge aus Immobilien erzielten und mindestens 75 % ihres Vermögens in Immobilien anlegen muss. Mindestens 90 % ihrer Erträge hat die Gesellschaft an die Aktionäre auszuschütten, bei denen die Gewinne dann versteuert werden. Die Eigenkapitalquote hat der Bundestag auf mindestens 60 % festgelegt.
____Wie wurde die umstrittene Aufnahme von Wohnimmobilien in REITs geregelt?
Inländische Bestandsimmobilien, die vor 2007 gebaut wurden, wurden ausgeklammert. Aber REITs dürfen in Wohnungen investieren, die nach dem 31. Dezember 2006 erbaut worden sind.
____Frau Hagemeier, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.