Unternehmensfinanzierung, in: bdp aktuell 125 | Januar 2016

bdp begleitet 1. FC Union Berlin

Stadionbetriebsgesellschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten reift zum mittelständischen Unternehmen

Alte Försterei

Mit dem Bau seiner neuen Tribüne und der Umwandlung seiner Stadionbetriebsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft hat der Fußball-Zweitligist 1. FC Union Berlin – langjähriger Mandant von bdp – vor einigen Jahren Neuland betreten. Um noch mehr Einnahmen generieren zu können, plante der Verein 2011 den Bau einer neuen Haupttribüne. Dort sollten neben Tagungs- und Gastronomiemöglichkeiten auch 26 VIP-Logen entstehen. Mit dieser Maßnahme sollten die bisher wenig attraktiven Containerbauten der Vergangenheit angehören. Es entstand mit Unterstützung von bdp die „An der Alten Försterei“ Stadionbetriebs AG.

Das war ein Novum im deutschen Profifußball. Erstmals erhielten die Fans eines Vereins die Möglichkeit, Aktien der Stadionbetriebsgesellschaft zu erwerben. Damit sollte ein Teil der Bausumme finanziert werden. bdp, erfahren in der Erstellung und Begleitung von Wertpapieremissionen, erstellte den erforderlichen Wertpapierprospekt – immerhin ein Werk von 224 Seiten. Das Modell wurde ein voller Erfolg. 4.143 neue Aktionäre zeichneten für insgesamt über 2,73 Mio. Euro Stadionaktien. „Unser Schwerpunkt liegt auf Mitbestimmung und Teilhabe der Fangemeinde“, so der Vorstand der Stadionbetriebs AG, Oskar Kosche. 45,01 Prozent der Aktien gehören jetzt den Mitgliedern, die restlichen Anteile sind im Besitz des Vereins 1. FC Union Berlin e.V. Das auf diese Weise gezeichnete Kapital wurde unter anderem für den Bau der Haupttribüne verwendet.

Hauptversammlung für die Aktionäre wurde erforderlich

Doch mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ergaben sich völlig neue Aufgaben, die im ersten Moment wenig mit dem klassischen Spielbetrieb gemein haben. So muss alljährlich eine Hauptversammlung abgehalten werden und den Aktionären Rechenschaft über die Arbeit des Vorstandes und die Verwendung der Mittel gegeben werden. Vor allem musste die Vermarktung der neuen Haupttribüne vorangetrieben werden.

„In erster Linie steht die Arena für die 17 Punktspiele sowie einige Pokal- und Freundschaftsspiele zur Verfügung“, so Oskar Kosche. „Doch es bleiben immer noch fast 300 Tage im Jahr, in denen das Stadion anderweitig genutzt werden kann.“ So kann im Stadion geheiratet oder Geburtstag gefeiert werden. Firmen können Tagungen und Produktpräsentationen durchführen. „Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt“, so Kosche. Zur Fußball-WM 2014 kam man auf die Idee, dass die Fans ihre eigenen Sofas ins Stadion stellen und dort vor einer riesigen Leinwand die Spiele verfolgen konnten: Das deutschlandweit größte WM-Wohnzimmer war entstanden.

Gewinn im zweiten Geschäftsjahr

Was im ersten Moment nach Fußball, Party und Spaß aussieht, ist harte Arbeit. Der Umsatz der Stadionbetriebs AG stieg von 4,66 Mio. Euro im Jahr 2010/2011 auf 10,83 Mio. Euro im Jahr 2014/2015. Die Stadionbetriebs AG ist damit zu einem mittelständischen Unternehmen gewachsen, welches auf verschiedenen Geschäftsfeldern aktiv ist. Neben der Organisation von Fremdveranstaltungen werden Erlöse vor allem durch Ticketing und Catering erzielt. Erstmals gelang es in diesem Geschäftsjahr, einen Gewinn von 23.506,56 Euro zu erzielen. Das hört sich im ersten Moment nicht allzu hoch an, aber, so Vorstand Kosche: „Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Man darf nicht vergessen, dass es erst unser zweites Geschäftsjahr in Folge mit der neuen Tribüne ist und wir noch jede Menge Luft nach oben haben.“

Unterstützung erhalten Kosche und seine Mitarbeiter von bdp vor allem in juristischen und steuerlichen Fragen. „Für eine Aktiengesellschaft gelten strengere Formvorschriften, insbesondere auch für die Einberufung und Durchführung einer Hauptversammlung. Hier kann man als Vorstand nicht einfach munter drauf losreden. Dazu sind die Zahlen, die die Stadionbetriebs AG vorlegt, zu wichtig für den Erhalt der Lizenz für den Spielbetrieb. Von bdp haben wir gerade in diesen Bereichen in den letzten Jahren immer wertvolle Unterstützung erhalten, damit wir uns aktienrechtlich konform verhalten.“

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen bdp und den Betreibern des Stadions zeigt sich darin, dass die kürzlich stattgefundene Hauptversammlung der Stadionbetriebs AG in einer entspannten Atmosphäre stattfand. Die Aktionäre waren mit der Arbeit des Vorstandes zufrieden und erteilten Entlastung.

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Foto: © 1. FC Union Berlin