Ganzheitliches Management Teil 8, in: bdp aktuell 116 | März 2015

Qualität verbessert Ergebnisse

Eine stetige und ganzheitliche Verbesserung des Managements ist der Schlüssel für Profit und gutes Rating

Lager

Weil wir in unserer Beratungspraxis immer wieder feststellen, dass gerade diejenigen Bereiche der Unternehmensführung, die für das qualitative Rating zentral sind, meist völlig außerhalb des Blickfelds der mittelständischen Unternehmer liegen, haben wir Sie darüber in den letzten Monaten mit einer Serie über ganzheitliches Management und qualitatives Rating gründlich informiert. Diese Serie schließen wir in dieser Ausgabe mit Informationen zu den Bewertungsbereichen Forschung und Entwicklung, Einkauf und Lagerhaltung sowie Marketing und Vertrieb ab.

Forschung und Entwicklung

Der Bewertungsschwerpunkt Forschung und Entwicklung ist nicht für alle Unternehmen relevant. Allerdings gibt es Unternehmen, deren langfristiges wirtschaftliches Überleben ohne eigene Forschung und Entwicklung infrage gestellt wäre. Forschungs- und Entwicklungsarbeit muss nicht unbedingt auf die Entwicklung von absatzfähigen Produkten und Dienstleistungen gerichtet sein, sondern kann auch der Verbesserung bestehender Fertigungs- und Leistungsprozesse dienen. Im Rahmen des Ratings werden die Aspekte Effektivität und Umfang der Forschungs- und Entwicklungsarbeit betrachtet.

Rainer Hübl

Rainer Hübl
ist Geschäftsführer der bdp Venturis Management Consultants GmbH.

Die Effektivität der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit ist grundsätzlich dann zu erwarten, wenn Ihrem Unternehmen geeignete finanzielle und menschliche Ressourcen zur Verfügung stehen, und wenn Forschung und Entwicklung einen integralen Bestandteil des Unternehmens bilden. Wichtig ist dabei, dass die F&E-Abteilung im ständigen Kontakt mit marktnahen Abteilungen steht.

Der Umfang der Forschungs- und Entwicklungsarbeit muss in angemessenen Abständen den Unternehmenszielen und -strategien angepasst werden. Über einen längeren Zeitraum sollten sich F&E für Ihr Unternehmen nachweislich rentieren.

Einkauf und Lagerhaltung

Auch die Bewertung von Einkauf und Lagerhaltung ist nicht für alle Unternehmen gleich relevant. Betrachtet werden die Aspekte Einkaufskonditionen, Qualität der Lieferanten, Abhängigkeit von Lieferanten und das Lagermanagement.

Bei den Einkaufskonditionen sollten Sie sich in angemessenen Zeitabständen Informationen über die Preise sowie die Liefer-, Leistungs- und Zahlungsbedingungen alternativer Anbieter verschaffen. Aber: Großzügige Angebote alternativer Zulieferer gehen zuweilen zulasten der Qualität. Deshalb wird die Qualität der Zulieferer gesondert bewertet. Das gilt auch für die Beschaffung von Maschinen und sonstigen Anlagegütern.

Die Qualität der Lieferanten wird sowohl hinsichtlich der gelieferten Waren als auch weiterer Aspekte wie Pünktlichkeit und Nebenleistungen, z. B. Lagerhaltung und Logistik, beurteilt. Bei Anlagegütern wird auch der Wartungs- und Garantieumfang beurteilt. Wichtig sind die Qualitätssicherungsmaßnahmen im Einkauf. Nutzen Sie ggf. zertifizierte Anbieter? In welchem Umfang kommen Warenrücksendungen vor, und wie gehen Sie damit um? Wird hierdurch der Produktions- oder Verkaufsfluss unterbrochen bzw. müssen Sie häufiger auf teurere Alternativanbieter zurückgreifen? Liefern Ihre Anbieter pünktlich bzw. müssen Sie ggf. zusätzlichen Lagerraum als Puffer bereitstellen?

Wichtig ist auch, ob eine Abhängigkeit von Lieferanten besteht. Müssen Sie mit zusätzlichen Kosten im Fall von Preiserhöhungen rechnen, und können Sie bei Lieferschwierigkeiten problemlos auf alternative Anbieter ausweichen?

Ein gutes Lagermanagement optimiert die Kapitalbindung. Dazu müssen Sie die Lagerinhalte und -werte jederzeit überblicken. Dabei müssen Mindestbestellmengen, Bestellkosten, Mindestbestände zu Sicherheitszwecken usw. justiert werden.

Für einen Lageraufbau können unterschiedliche Motive ausschlaggebend sein: Eine Vorratshaltung wegen Preissteigerungserwartungen ist selten und nur bei intransparenten Märkten zu rechtfertigen. Eine Wette auf steigende Preise ist wegen der auflaufenden Lagerkosten riskant. Bei transparenten Märkten müssen Sie davon ausgehen, dass alle zukünftig möglichen Erlössteigerungen bereits im Einkaufspreis enthalten sind.

Die Vorratshaltung wegen gewährter Mengenrabatte ist nur sinnvoll, wenn die generierten Einsparungen nicht vollständig durch erhöhte Lagerkosten aufgezehrt werden. Rechnen Sie sowohl mit der Veralterung der Ware als auch mit der Gefahr des Lagerabgangs durch Diebstähle.

Handelsunternehmen wirtschaften gut, wenn sie eine möglichst kurze Lagerumschlagsdauer haben. Wichtig ist also, mit welchen Maßnahmen Sie das Warenlager überwachen und der Entstehung von kapitalbindenden Ladenhütern entgegenwirken.

Marketing und Vertrieb

Dieser Teil der Wertschöpfungskette beschäftigt sich mit dem Bereich Marketing und Vertrieb. Die Zeit einer allgemeinen Güterknappheit, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg bestand, ist lange vorbei. Statt eines Verkäufermarkts mit über dem Angebot liegende Nachfrage müssen Sie in einem nachfrageinduzierten Käufermarkt agieren und Ihre unternehmerischen Aktivitäten an den Abnehmern ausrichten. Die Bereiche Vertrieb und Marketing haben daher immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Ohne gutes Marketingkonzept kann ein Unternehmen auf den Käufermärkten nicht mehr erfolgreich sein. Daher wird beim Rating geprüft, ob und wie Ihr Unternehmen Marktforschung betreibt. Mit welchen Maßnahmen wird der Absatz gefördert? Wie sieht die Erfolgskontrolle bei Marketingmaßnahmen aus?

Bei der Beurteilung der Vertriebssteuerung geht es um die Fragen, ob Ihr Unternehmen strategiekonforme Vertriebswege wählt, ob Vertriebsziele mit Vertriebsmitarbeitern besprochen und vereinbart sowie ob Abweichungen von den Vertriebszielen analysiert werden.

Fazit

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema qualitatives Rating bedeutet, das Unternehmen ganzheitlich zu betrachten. Jede relevante Verbesserung beim qualitativen Rating beruht auf einer weiterentwickelten Unternehmensführung. Das Management zu optimieren ist nicht nur ein notwendiges Übel, damit das Unternehmen sich den Banken als vertrauenswürdiger Schuldner präsentieren kann.

Von einer professionellen Unternehmensführung profitiert zuerst das Unternehmen selbst. Ein ganzheitlich weiterentwickeltes Unternehmen liefert unweigerlich auch positive Ergebnisse, die sich in harten Zahlen und einem verbesserten Rating niederschlagen werden.

Foto: © Gemenacom - Shutterstock


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