Unternehmensnachfolge, in: bdp aktuell 115 | Februar 2015

„Ab Mitte 50 drängt die Zeit!“

Eine Nachfolgeregelung muss gründlich vorbereitet und professionell begleitet werden

____Herr Dr. Bormann, wie sieht eine optimale Nachfolgeregelung aus?

Optimal ist eine Nachfolgeregelung dann, wenn sie rechtzeitig vorbereitet wird und nicht erst dann, wenn beim Unternehmer die biologische Uhr vernehmbar tickt. Man muss sich beizeiten in der Familie, oder wenn sich da keiner findet, auch nach einem externen Nachfolger umsehen. Spätestens ab Mitte 50 sollte dieser Prozess intensiviert werden, denn sonst kann es passieren, dass die Banken Druck auf den Unternehmer ausüben seine Nachfolge zu regeln.

____Was ist aus erbschaftssteuerlicher Sicht zu beachten, wenn der Nachfolger aus der Familie kommt?

Dr. Michael Bormann

Dr. Michael Bormann
ist Steuerberater und seit 1992 bdp-Gründungspartner.

Im Dezember 2014 hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass die derzeit geltende Regelung der Erbschaftsteuer nicht verfassungskonform ist. Erben von Firmen, die mindestens sieben Jahre fortgeführt werden und bei denen die Arbeitsplätze erhalten bleiben, sind von der Erbschaftsteuer weitgehend oder sogar ganz befreit. Bislang blieben vor allem kleine und mittlere Unternehmen bis 20 Mitarbeiter von der Erbschaftsteuer befreit, ohne einen Nachweis zu erbringen. Laut Urteil werden dann auch kleinere Unternehmen damit rechnen müssen, dass sie für die Steuerbefreiung oder -ermäßigung künftig den Lohnsummennachweis erbringen müssen. Deshalb ist es empfehlenswert, Unternehmen innerhalb der Familie noch vor Juni 2016 zu übergeben, um in jedem Fall noch von den aktuellen Steuervorteilen zu profitieren.

____Wenn jemand von außen ein Unternehmen übernehmen will, das aus Altersgründen zum Verkauf steht, wie kann der Kaufpreis finanziert werden?

Da gibt es viele Möglichkeiten fernab des klassischen Bankkredits. Der Käufer kann eine mittelständische Beteiligungsgesellschaft oder eine Bürgschaftsbank mit ins Boot nehmen, er kann Beteiligungskapital wie Private Equity oder die zinsgünstigen Darlehn der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nutzen. Auch die regionalen Investitionsbanken bieten oftmals spezielle Programme für Unternehmensnachfolgen. Auch die Zahlung des Kaufpreises in Form einer Leibrente für den Verkäufer ist eine sinnvolle Variante zur Finanzierung.

Zu beachten ist, dass Käufer und Verkäufer oftmals weit auseinandergehende Vorstellungen über den Kaufpreis haben. In der Regel schätzt der Verkäufer sein Unternehmen, in das er jahrzehntelang sein Herzblut gelegt hat, weit wertvoller ein, als es ist. Hier helfen externe Berater mit einer neutralen Bewertung.

____Was kann bei Nachfolgen scheitern?

Gerade in Familienunternehmen fällt es dem Senior oftmals schwer, das operative Geschäft loszulassen und dem Nachfolger dort nicht hineinzureden. Ein solcher Konflikt sollte von einem externen Fachmann moderiert werden. Hilfreich ist in solchen Situationen, wenn der Alteigentümer einen Sitz im Beirat oder Aufsichtsrat erhält oder sich ein neues Betätigungsfeld, etwa in der Politik oder bei einem neuen Hobby sucht.

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