bdp China, in: bdp aktuell 114 | Januar 2015

NZWL: Ein Jahr in China

Begleitung bietet bdp Venturis und Vor-Ort-Unterstützung kommt von bdp China

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Seit gut einem Jahr ist die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH in Tianjin und dort in deren Wirtschaftszone TAEA mit dem Aufbau einer eigenen Produktionsstätte beschäftigt. Die NZWL wird auf ihrem Weg nach China von bdp Venturis begleitet und vor Ort von bdp China unterstützt. Das Fazit von Dr. Hubertus Bartsch, CEO der NZWL: „Bislang ist das Projekt gut gelungen.“

Investitionen von 40 bis 50 Mio. Euro

Der Gang nach China ist für Zulieferer von Automobilkonzernen oftmals ein Muss: „Wir sind bereits 2011 von unserem wichtigsten Kunden, der Volkswagen AG, gebeten worden, über einen eigenen Standort in China nachzudenken“, schildert Bartsch die Anfänge. „Als sogenannter Single Sourcer sind wir mit unseren Synchronisierungen ein hochkomplexer Alleinlieferant für die Automobilindustrie und Baugruppenlieferanten, die mittlerweile mit eigenen Standorten vor Ort den chinesischen Markt beliefern.“ Allein Volkswagen will bis 2018 rund 18,2 Mrd. Euro vor Ort investieren.

Für die Sachsen bedeutete das, eine Investition von 40 bis 50 Mio. Euro in Fernost zu stemmen. Das ist eine große Aufgabe für ein Unternehmen, das 2014 einen Jahresumsatz von 75 Mio. Euro an seinen Standorten in Leipzig und der Slowakei erwirtschaftet hat. Unter der Federführung der Finanzierungsexperten von bdp Venturis legte das Unternehmen Anfang 2014 eine Anleihe in Höhe von 25 Mio. Euro auf, die den Markt für Mittelstandsanleihen spürbar belebte und innerhalb weniger Stunden dreifach überzeichnet war. 15 Mio. Euro wurden hiervon als Darlehen an die chinesische Tochtergesellschaft gegeben. Der Grund: „In China muss ab einer Gesamtinvestition von 30 Mio. Dollar mindestens ein Drittel Eigenkapital erbracht werden, um zwei Drittel chinesisches Darlehen zu erhalten“, so Finanzierungsfachmann Dr. Bormann.

Es gelang ferner, die Commerzbank als Hausbank in Deutschland und die China Constructions Bank (CCB) aus Peking für eine deutsch-chinesische Anschubfinanzierung zu gewinnen. Damit waren die Grundlagen geschaffen, um überhaupt nach China gehen zu können. An Aufträgen mangelt es nicht: Vorverträge mit seinen größten Kunden über ein Volumen in Fernost von jährlich 30 bis 40 Mio. Euro für die kommenden Jahre hat der NZWL-Geschäftsführer in der Schublade.

Obwohl Hubertus Bartsch bereits erfolgreich ein Werk der NZWL in der Slowakei aufgebaut hatte, war er über die Vor-Ort-Unterstützung durch bdp froh: „China ist komplett anders als die üblichen Erfahrungen in Europa. Da kann man bereits an formaljuristischen Dingen scheitern.“ Unterstützung erhielt er daher bei der Erstellung chinesischer Steuererklärungen und bei der Umsetzung der Transparenzregeln für ausländische Investoren in China. Nicht zuletzt auch der Einsatz eines chinesischen Anwaltes aus dem Team von bdp China half sehr bei den Vertragsformulierungen und den vorausgegangenen Verhandlungen.

Karriereplan für die chinesischen Mitarbeiter

Auch bei der Personalsuche half bdp China. „Wir sind dabei, eine Mannschaft zu bilden“, so Bartsch. Die ersten 12 Mitarbeiter aus China wurden bereits in Leipzig geschult, weitere sollen folgen. Erfreulich für Bartsch: Die Chinesen sind sehr engagiert bei der Einarbeitung und dem Kennenlernen der deutschen Kultur. Als Vorteil sieht der Unternehmer, dass seine chinesischen Mitarbeiter in der Region verwurzelt und sehr gut ausgebildet sind. Mittels eines speziellen Karriereplans will er die Mitarbeiter ans Unternehmen binden. Denn wenn sich die Anlaufphase des Unternehmens zu lange hinzieht, besteht die Gefahr, dass dies „die Mitarbeiter leicht demotiviert“, so Bartsch. Dann könnte die Fluktuation eintreten, für die chinesische Arbeitnehmer berüchtigt sind.

Selbst wenn bis ins letzte Detail alles geklärt scheint, etwa bei der Einfuhr der benötigten Maschinen, „und alle Stempel beigebracht sind, kann es immer noch vorkommen, dass noch jemand kommt und noch einen weiteren Stempel braucht. Da können dann locker wieder ein paar Tage ins Land gehen“, erzählt Bartsch. Das hat ihn bewogen, einen chinesischen Fachmann für Zollfragen hinzuzuziehen.

Insgesamt sieht sich die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH gut aufgestellt für die kommenden Jahre. Seit Oktober werden die ersten Test- und Prüfteile planmäßig produziert. Im Dezember wurde auch der Grundstücksübertragungsvertrag für die nunmehr fertige Fabrik unterzeichnet.

Unerlässlich bleibt für das Tandem Bartsch und Bormann die regelmäßige Präsenz vor Ort, in der Regel alle vier bis fünf Wochen eine Woche. „Die Mitarbeiter wollen die Chefs sehen“, so Bartsch. Und auch die anderen Kontakte zu den Behörden wollen gepflegt sein. „Ich möchte Stabilität in den Beziehungen haben, ein gegenseitiges Geben und Nehmen pflegen und niemals einen Streit vor Gericht.“

Fazit:

Der Aufbau einer Produktionsstätte in China ist eine wirtschaftliche und interkulturelle Herausforderung für jeden Mittelständler. Im Alleingang sollte der Gang nach Fernost nicht versucht werden, sondern es sollten Spezialisten wie bdp einbezogen werden, die über ein starkes Netzwerk vor Ort mit chinesischen Fachleuten verfügen.