bdp Event, in: bdp aktuell 111 | Oktober 2014

Die Tücken eines China-Engagements

Auf dem bdp-Fachforum „Investieren und Finanzieren in China“ informierten sich kleine und mittelständische Unternehmen

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Am 15.09.2014 veranstaltete bdp im Hamburger CARLS an der Elbphilharmonie das bdp-Fachforum „Investieren und Finanzieren in China“. Die Referenten waren Fang Fang, Leiterin des China Desks bei bdp in Hamburg, bdp-Gründungspartner Dr. Michael Bormann sowie Robert Bornemann, Managing Partner der CENTRAL Advising Group in Berlin und Beijing. Dr. Michael Bormann führte gewohnt kompetent durch die Veranstaltung.

Das Fachforum richtete sich an kleine und mittelständische Unternehmen, die in China eine Niederlassung haben oder noch gründen möchten, und behandelte alle wichtigen Themen und Fragestellungen rund um ein China-Investment von der Firmengründung und Finanzierung über die steuerliche Optimierung zwischen der deutschen Muttergesellschaft und der chinesischen Tochter bis hin zum Personalmanagement.

Gründung und Finanzierung von Unternehmen in China

Die erste Hälfte des Programms begann mit einem einführenden Vortrag von Dr. Bormann. Er sprach sowohl über die Gründung und Finanzierung von Unternehmen in China als auch über die chinesischen Steuern und das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen China und Deutschland. Er lieferte dem Publikum einen Einblick in die Finanzierungsmöglichkeiten in China, den Gründungsprozess für Produktionsunternehmen und das Einwerben lokaler Subventionen. Er erläuterte die chinesischen Steuerarten, die Anforderungen an die Buchführung und den Jahresabschluss und analysierte die steuerlichen Aspekte der Mitarbeiterentsendung.

Deutsche Unternehmen engagieren sich in China bereits seit Jahrzehnten. Aber mancher deutsche Unternehmer hat dabei auch unerfreuliche Erfahrungen gemacht. Oft waren nur ungenügende Kenntnisse über den chinesischen Markt vorhanden oder es wurde in der Planungsphase mit vielen spontanen Entscheidungen zu wenig systematisch vorgegangen. In vielen Fällen waren ihre Kenntnisse über kulturübergreifende Managementmethoden nicht ausreichend.

Warum investieren deutsche Unternehmen gerade in China? Selbstverständlich motiviert allein die Größe des chinesischen Markts den Einstieg. Oft drängen aber auch Großkunden, die bereits in China engagiert sind, ihre Zulieferer ihnen nachzufolgen, weil sie erwarten, dass der nötige Service vor Ort verfügbar ist: „Weltweit liefern heißt weltweit Support bieten“, erklärte Dr. Bormann.

Kulturelle Differenzen verstehen und managen

Im zweiten Teil der Veranstaltung erklärte Fang Fang, wie kulturelle Differenzen verstanden und gemanagt werden können. Sie verglich die unterschiedlichen Kulturen, Denkweisen und Umgangsformen zwischen Deutschland und China. Nicht nur in den Joint Ventures, sondern auch in der neu gegründeten Firma treten gerade in der Anfangsphase der interkulturellen Zusammenarbeit bei chinesischen und deutschen Mitarbeitern immer wieder unterschiedliche Verhaltensweisen auf, die zu Staunen und Befremdung führen.

So nehmen beispielsweise die Deutschen das Verhalten ihrer chinesischen Kollegen als zu wenig teamorientiert wahr. Umgekehrt finden Chinesen, die Deutschen verträten ihre Meinung sehr direkt, kühl, hart und wenig humorvoll, und sie vermissen die Höflichkeit, berichtete Frau Fang.

Ein anderes Beispiel: Deutsche Mitarbeiter halten sich sehr genau an ihre Zeitplanung. Chinesen zeigen sich hier deutlich flexibler. Diese Flexibilität erweckt bei den Deutschen den Eindruck, die Chinesen seien unpünktlich und unzuverlässig und würden wertvolle Arbeitszeit verschwenden.

Ein weiterer kultureller Unterschied zeigt sich bei Meinungsäußerungen. Im Gegensatz zum deutschen Verhalten wird Kritik in China indirekt geäußert, weil die „Wahrung des Gesichts“ in der chinesischen Kultur enorm wichtig ist. Deshalb fühlen sich Chinesen nicht wohl dabei, dem Gegenüber offen zu widersprechen, erläuterte Frau Fang.

Erfolgsfaktoren bei der Personalrekrutierung

Anschließend referierte Robert Bornemann aufschlussreich über die Erfolgsfaktoren bei der Personalrekrutierung in China, und wie Top-Performer nachhaltig gebunden werden können.

Der Projekterfolg in China hängt fast ausschließlich von einer angemessenen sozialen Kommunikation ab. Wer es verstehe, in China Menschen richtig einzuschätzen, finde gute Mitarbeiter. Hinsichtlich der komplexen Personalmanagementkonzepte in China erläuterte Bornemann, dass bei der Wahl der chinesischen Mitarbeiter und Führungskräfte nicht nur fachliche und persönliche Kompetenzen, sondern auch Verhaltenskompetenzen eine entscheidende Rolle spielen. Die Verhaltenskompetenzen, beispielsweise Arbeitsorganisation, Projektmanagement, Kommunikations-, Führungs- und Problemlösungsfähigkeiten sind Kernkriterien bei der Auswahl passender Mitarbeiter. Leider werden diese Verhaltenskompetenzen von vielen deutschen Unternehmen bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter gegenüber der reinen Fachkompetenz oft nicht genug berücksichtigt.

„Ein sehr guter und dauerhaft präsenter Chef, ein stabiles Arbeitsumfeld, kurze Arbeitswege und die Chance zum Lernen“ sind Kernelemente einer erfolgreichen Personalstrategie in China, erklärte Bornemann.

Die an den Vortrag anschließende Fragerunde erfreute sich reger Beteiligung und lieferte weitere interessante Aspekte über die Strategie eines China-Engagements. Deutsche Unternehmen, die in China investieren wollen, so Dr. Bormann, müssen eine klare Investitionsstrategie verfolgen, bei chinesischen Rechtsfragen und Steuerwesen Beratungsangebote in Anspruch nehmen und sich in internationaler Kommunikation und Verständigung üben.

Am Ende der Veranstaltung tauschten sich die Teilnehmer und Vortragenden beim „Get Together“ weiter angeregt aus.