Ganzheitliche Unternehmensführung Teil 3, in: bdp aktuell 110 | September 2014

Auf klarem Kurs

Stringenz bei Unternehmensstrategie, Management und Personal ergibt ein gutes qualitatives Rating

Kompass

In unserer Serie zur ganzheitlichen Unternehmensführung möchten wir Ihnen nahebringen, neben dem quantitativen Ranking das qualitative Rating nicht zu vernachlässigen. Für eine positive Bewertung ist maßgeblich, dass der Unternehmensleitung in den Bereichen Unternehmensstrategie, Management und Personal ein klarer Kurs attestiert werden kann. Wir erläutern, welche Kriterien dabei eine Rolle spielen.

Unternehmensstrategie

Die wirtschaftlichen Ziele eines Unternehmens lassen sich unmittelbar aus der Strategie ableiten. Unter anderem ergeben sich folgende Fragestellungen:

  • Auf welchen regionalen oder internationalen Märkten wollen wir tätig werden?
  • Wird eine Qualitäts- oder Kostenführerschaft angestrebt?
  • Welchen Spezialisierungsgrad sollen die Produkte haben?
  • Wird der Schwerpunkt eher auf Innovation oder auf Imitation bereits erfolgreicher Produkte oder Konzepte gelegt?

Das Strategiemanagement unterzieht die gewählte Strategie regelmäßig einer kritischen Prüfung, wie z. B. mit einer Portfolioanalyse. Die Abbildung verdeutlicht, in welchen Märkten die Produkte zu einem relativen Marktanteil platziert werden konnten. Je nachdem in welchem Quadranten der Matrix die Produkte liegen, ergeben sich unterschiedliche Handlungsstrategien.

Portfolioanalyse

Produkt A: noch wenig bekanntes Produkt mit erheblichem Potenzial, noch in stabiler Nachfrage, noch kein starker Erlösträger

Produkt B: etabliertes Produkt, Erlös- und Liquiditätsträger (Cash Cow), Absatz kaum steigerungsfähig, der Schwerpunkt liegt auf der Optimierung der Herstellkosten

Produkt C: problembehaftetes Produkt, kaum Wachstumspotenzial

Produkt D: Spitzenprodukt, hoher Marktanteil bei starkem Marktwachstum

Management

Bei dem Bewertungsschwerpunkt Management geht es um die fachliche und persönliche Qualifikation der Geschäftsführung. In die Bewertung fließen die Qualifikationen der obersten und der zweiten Managementebene sowie die Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb des Managements ein. Im Mittelpunkt stehen die aufgabenrelevante Qualifikation und die entsprechende Berufs- und Branchenerfahrung.

Rainer Hübl

Rainer Hübl
ist Senior Consultant bei der bdp Venturis Management Consultants GmbH.

Die fachliche Ausbildung ist relativ einfach anhand von Unterlagen (Zeugnisse, Referenzen etc.) zu beurteilen. Die relevanten Erfahrungen sind wesentlich schwieriger zu beurteilen. Meist dient die Zahl der Jahre, die ein Manager in einer vergleichbaren Position gearbeitet hat, als Indikator für seine Branchenerfahrung.

Die persönliche Führungskompetenz lässt sich wesentlich schwieriger als die fachliche Qualifikation einschätzen. Bei der Führungskompetenz ist zu unterscheiden zwischen der unternehmerischen Kompetenz (Verbindlichkeit, Kosten- und Ertragsbewusstsein, Zielstrebigkeit, Koordinationsvermögen, Delegationsvermögen) und der sozialen Kompetenz (Motivationsvermögen, Verantwortungsbewusstsein).

Personal

Bei der Beurteilung der Unternehmensführung spielt der Bewertungsschwerpunkt Personal eine zunehmend wichtige Rolle. Im weiter wachsenden Dienstleistungssektor stellen die Personalkosten bei Weitem den größten Kostenanteil dar, und auch in den meisten Produktionsbetrieben sind die Personalkosten noch immer einer der größten Kostenfaktoren.

Das Personal wird anhand von vier Aspekten beurteilt:

Personalmanagement: Das Personalmanagement ist u. a. für die Personalplanung zuständig. Die Personalplanung wird hinsichtlich der Planung für die Gesamtheit der Mitarbeiter (Personalkosten, Personalbestand, Personalbedarf, Personaleinsatz, Personalveränderung und Personalentwicklung) oder für einzelne Mitarbeiter (Beurteilungsgespräche, Karriere-, Entwicklungsplanung, Nachfolgeplanung) unterschieden. Beide Arten der Personalplanung sollten sicherstellen, dass der Faktor Personal optimal sowohl in die Unternehmensplanung als auch in die Arbeitsabläufe des Unternehmens eingepasst wird.

Personalzufriedenheit: Eine hohe Personalzufriedenheit führt zu höherer Produktivität, einer niedrigeren Fluktuation und damit zu geringeren Reibungsverlusten. Die Personalzufriedenheit kann über eine Mitarbeiterbefragung erfolgen oder durch sogenannte Motivationsbilanzen, die über einen längeren Zeitraum die Entwicklung bestimmter Kennzahlen wie Krankenstand und Umsatzentwicklung betrachten.

Arbeitsmarktsituation: Allgemein gilt: Je höher der Spezialisierungsgrad der Tätigkeit, desto höher wird auch der Aufwand an Geld und Zeit für eine erfolgreiche Besetzung sein.

Spezifische personelle Risiken bestehen, wenn das für den Fortbestand des Unternehmens notwendige Wissen nur auf wenige Mitarbeiter verteilt ist.

Gerne beraten wir Sie, wie Sie Ihr qualitatives Rating verbessern können. Bitte sprechen Sie uns an.

Foto: © donskarpo - Shutterstock